Es war Fontanes gefährlichste Reise. Der Schriftsteller und Journalist wurde im Herbst 1870 bei seiner Recherche über den Deutsch-Französischen Krieg als preußischer Spion verhaftet und musste fürchten, von einem Kriegsgericht zum Tode verurteilt zu werden. Dass er letztlich freikam, verdankte er dem diplomatischen Ränkespiel, in das auch Bismarck verwickelt war. Gabriele Radecke und Robert Rauh erzählen den spektakulären Fall aus zwei Perspektiven: Fontanes dramatische Odyssee durch Frankreichs Festungen und die verzweifelten Rettungsbemühungen seiner Freunde in Berlin. Dabei nehmen sie den Leser nicht nur mit zu den Originalschauplätzen, sondern decken anhand unbekannter Notizen, Briefe und Dokumente auf, was Fontane in seinem autobiografischen Buch "Kriegsgefangen" verschweigt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 02.01.2021
Rezensent Harry Nutt erfährt aus Gabriele Radeckes und Robert Rauhs Buch, das Fontanes Bericht über seine Erlebnisse im Deutsch-Französischen Krieg mit den Realitäten abgleicht, einiges über Fontane spielerischen Umgang mit den Fakten, aber auch über den Krieg und die Diplomatie der Zeit. Wie Fontane möglicherweise auf Betreiben Bismarcks seiner Erschießung entging, rekonstruieren die Autoren laut Nutt mittels "detektivischer Recherche".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 25.11.2020
Rezensent Gustav Seibt vertieft sich mit Interesse in den Komplex von Fontanes Kriegsgefangenschaft, wie ihn Gabriele Radecke und Robert Rauh recherchieren und kommentieren. Den Aberwitz von Fontanes Naivität als "Kriegsreporter", seinen Bericht selbst, seine Gefangenschaft sowie die Diplomatie hinter seiner Freilassung erschließen ihm die Autoren genau und unterhaltsam. Dabei wird auch Fontanes ausgezeichnete "Reporterarbeit" für Seibt deutlich. Personenregister und Grafiken erhöhen für ihn den Lektüregenuss, die allzu "summarische" Darstellung der "kriegsvölkerrechtlichen" Umstände schmälern ihn etwas.
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