Aus dem Finnischen von Stefan Moster. An einem strahlenden Mittsommermorgen gegen Ende des 19. Jahrhunderts macht sich ein riesiges Ruderboot auf den Weg durch die Schären der finnischen Gemeinde Kustavi, wo die Bewohner der verstreut liegenden Inseln wie in einem einstudierten Ballett an ihre Anleger strömen, um sich zum sonntäglichen Gottesdienst bringen zu lassen. Auf den Bänken des Kirchbootes versammeln sich Männer und Frauen, alte Leute und Kinder, Hofherren und Mägde, und schon bald erklingen stolze Reden und geflüsterte Gespräche, und die Blicke beginnen zu wandern. Wer erhebt Anspruch auf die besten Plätze im Boot? Wo gibt es neue Vertraulichkeiten, wo liegen Nachbarn im Streit? Und könnte es sein, dass Silja, die doch noch niemandes Frau ist, sich verstohlen den Bauch hält?
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 25.11.2025
Schlichtweg großartig: So urteilt Rezensent Maximilian Mengeringhaus über dieses Buch des finnischen Autors Volter Kilpi, das nun auf Deutsch vorliegt. Gerade einmal ein paar Stunden Handlung bringt Kilpi auf gut 500 Seiten unter, beschreibt Mengeringhaus, es geht um das Johanni-Fest, das die Einwohner der dünn besiedelten nördlichen Schären an einem lichten Sommertag zusammen bringt. Kilpi, selbst in dieser Gegend aufgewachsen, springt zwischen verschiedenen Personen hin und her, so der Rezensent, und erkundet, teilweise dialogisch, diverse Wünsche und Geheimnisse von Gutsbesitzern, Mägden, Schiffskapitänen und vielen anderen. Besonders toll findet Mengeringhaus, wie es dem Humanisten Kilpi gelingt, im Kleinen, Alltäglichen das große Ganze zu fassen zu bekommen - und dabei alle Gefahren von Heimatkitsch zu umschiffen. Kongenial auch die Übersetzung von Stefan Moster, der die Adjektive nur so prasseln lässt, lobt der rundum zufriedene Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.11.2025
Rezensent Stephan Opitz feiert Stefan Mosters Übersetzung von Volter Kilpis Roman aus dem Jahr 1937. Der "finnische Joyce" liefert mit seiner farbigen Beschreibung einer Kirchbootsgesellschaft in den finnischen Schären laut Opitz ein "Wimmelbild", das sowohl an finnische Erzähltraditionen anschließt als auch modernes Erzählen mit innerem Monolog und sprachlichen Brechungen vollzieht. Der "maritime Kirchgang" wird in vielen Einzelheiten plastisch geschildert, Binnenerzählungen werden immer wieder herausgehoben aus dem impressionistischen Ganzen, erklärt Opitz begeistert. Die schiere Sprachgewalt des Textes ins Deutsche gebracht zu haben, hält Opitz auch für eine verdienstvolle Leistung.
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