Tor Ulven

Grabbeigaben

Fragmentarium
Cover: Grabbeigaben
Droschl Verlag, Graz 2025
ISBN 9783990591505
Gebunden, 136 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Norwegischen von Bernhard Strobel. Tor Ulvens funkelnd Prosadebüt "Grabbeigaben" aus dem Jahr 1988 erstmals in deutscher Übersetzung.  "Grabbeigaben" ist ein Buch in allerpräzisesten Bildern und voller detailrealistischer Schilderungen. Wie ein literarischer Archäologe visualisiert Ulven die Reste der Vergangenheiten, auf denen wir buchstäblich tagtäglich mit unseren Füßen gehen, und die Vergangenheit, die die beiden Ich-Figuren des Buches in sich tragen.Von den privaten, intimen und teils sinnlichen Erinnerungen zweier Ich-Figuren dringt das Fragmentarium tief ein in das, was mal offensichtlich, mal verborgen auf der Welt überdauert: Mammutknochen, eine Musikaufnahme aus dem Jahr 1953, ein verlassenes Hotel, Reste aus Pompeji, Scherben und Inschriften, imaginierte Reisen an verlassene Orte, die einst bedeutsam für das eigene Leben waren.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 03.05.2025

Dieses Buch des Norwegers Tor Ulven ist ziemlich seltsam, schickt Rezensent Ulrich Rüdenauer gleich vorweg, das haben die damals nicht allzu zahlreichen Rezipienten schon bei der Erstveröffentlichung 1988 erkannt. In Deutschland erscheint es jetzt zum ersten Mal in einer hochgelobten Übersetzung von Bernhard Strobel: Handlung gibt es zwar nicht wirklich, räumt Rüdenauer ein, aber wiederkehrende Motive und vor allem eine "ungemein präzise, mikroskopisch genaue Sprache", die "Abfall der Alltagsgeschichte" beleuchtet. Bruchstückhaft nimmt Ulven die Vergänglichkeit der menschlichen Existenz in den Blick, der Titel "Grabbeigaben" ist dabei sehr ernst zu nehmen, immer wieder geht es um Totenschädel, aber auch beispielsweise um die jahrzehntealte Aufnahme eines klassischen Konzertes, über die die Erzählstimme sinniert, dass möglicherweise der Verursacher des Hustens, das im Hintergrund zu hören ist, längst tot sein könnte, wie der Kritiker schildert. Fragmentarisch sind diese Überlegungen für ihn, aber Ulven stellt den Moment seiner Beobachtung stets messerscharf, was die Lektüre für ihn trotz der Schwierigkeiten absolut lohnenswert macht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.04.2025

Ein "Fragmentarium" ist alles andere als ein Sammelsurium, informiert ein von der Lektüre geradezu poetisch gestimmter Jochen Schimmang den faszinierten Leser der Kritik. Dies Büchlein mit seinen 130 Seiten scheint ein Monument der Melancholie zu sein. Das Verschüttete, oder genauer, eine von Sprache nie hundertprozentig zu erfassende Gleichzeitigkeit scheint das Thema des Buchs zu sein. Zwei Figuren sprechen hier, erläutert der Rezensent, der viel zitiert. Sie sprechen etwa über ein Gemälde, das scheinbar nüchtern einen Regentag darstellt und dennoch Erinnerungen zu besitzen schien, die die Erinnernde schon vergessen hatte. Dank sei also der Kunst und diesem Autor, der sich 1993 das Leben nahm. In Norwegen gilt er als einer bedeutendsten, informiert Schimmang noch, zum Glück gibt es ein Blurb von Knausgard - "Tor Ulven, das war das Höchste" -, das treuen Verlage wie Droschl, die sich seit Jahren für Ulven engagieren, zum Verkaufsargument taugt. Auch die Übersetzung Bernhard Strobels lobt Schimmang in höchsten Tönen.

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