Gaetan Soucy

Die Unbefleckte Empfängnis

Roman
Cover: Die Unbefleckte Empfängnis
Matthes und Seitz Berlin, Berlin 2010
ISBN 9783882215304
Gebunden, 336 Seiten, 22,90 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Andreas Jandl. "Da das Schicksal sich listigerweise unscheinbar kleidet, begann alles mit einem Abendspaziergang, der allen vorigen zu gleichen schien." Remouald Tremblay, ein hünenhafter Mann mit dem Lächeln eines Esels, führt ein von Routine bestimmtes Leben als Bankangestellter und opfert jede freie Minute der Pflege seines tyrannischen gelähmten Vaters. Das ändert sich, als er in der Ruine einer vom Feuer zerstörten Kneipe einen Gegenstand entdeckt und einsteckt. Was von nun an passiert, gerät mehr und mehr außer Kontrolle.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.04.2011

Anja Hirsch vermag uns das Grauen, das in diesem bereits 1994 erschienenen ersten Teil von Gaetan Soucys alptraumhafter Trilogie steckt, ganz gut zu vermitteln. Den Autor nennt sie einen Meister düsterer, raffiniert verschachtelter Literatur. Und auch in diesem Roman zeigt ihr Soucy, was er kann. Schnell stellt Hirsch fest: Nichts in diesem Buch ist am rechten Platz. Menschen und Räume gleichen Abgründen. Logik ist hier ein unbekannter Begriff. Dass der Autor es ihr überlässt, etwas Ordnung in den dunklen Bilderbogen zu bringen, den er so hemnungslos entfaltet, scheint Hirsch nicht zu stören. Das explosions- und triebartig hervorbrechende Böse ist aber auch zu unterhaltend und von geradezu barocker Theatralik, wie Hirsch es umschreibt. Nur wenn der Autor zu sehr auf die Pointe schielt, anstatt der auch sprachlich gut gestalteten Atmosphäre zu vertrauen, gerät das üppig ausgebreitete Material zur Geduldsprobe für die Rezensentin.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 22.11.2010

Bestens unterhalten fühlt sich Rezensent Thomas Laux mit diesem stimmig übersetzten, nun ja, Schauerroman. So nennt, bzw. nannte man das wohl, aber wohl ist Laux nicht bei diesem Begriff, schon wegen dem Trivialitätsverdacht. Besser gefällt ihm, Gaetan Soucy seiner Originalität, seines Wortwitzes, seines narrativen Konzepts ("Überdrehtheit") und seines hier von ihm vorgestellten Freak-Kabinetts in die Nähe von Maupassant und Boris Vian zu rücken oder Marcel Bealu (falls den jemand kennt). Derart kafkaesk verrätselt, dunkel surreal und alptraumartig gruselig, vor allem aber überzeugend geht es zu in diesem Text.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.10.2010

Mit dem dritten Band seiner "Trilogie der Vergebung" hatte Gaetan Soucy Angela Schader einen kostbaren Moment der "Erleuchtung" geschenkt. Nach dem ebenfalls von ihr gepriesenen zweiten Band ist nun endlich der erste Teil auf Deutsch erschienen, mit dem Soucy 1994 literarisch debütierte, wie die Rezensentin mitteilt. In dessen Zentrum steht ein "mit deutlich messianischen Zügen ausgestatteter" Mann, dessen Vergangenheit immer wieder mit Macht in seine Kleinbürgerexistenz einbricht und sie schließlich zerstört, erklärt die Rezensentin. Sie muss zugeben, dass es der Erstling noch nicht mit seinen zwei Nachfolgern aufnehmen kann. Zu unglaubwürdig erscheint ihr der finstere Gegenspieler der Hauptfigur, und man finde hier noch nicht die gleiche erzählerische Raffinesse. Und dennoch kann Schader bereits deutlich den "außergewöhnlichen Autor" hervorscheinen sehen und muss anerkennend zugeben, dass die Handlung derart virtuos konstruiert ist, dass die "Schwäche" des Romans lange Zeit nicht auffällt. Und dann findet die Rezensentin auch hier "Momente von abgründiger Tiefe", die sie wieder ganz in den Bann dieses gekonnt zwischen surrealer und realistischer Erzählweise oszillierenden Debüts geraten lässt.
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