Klappentext
Aus dem Dänischen von Justus Carl und Kerstin Schöps. Tues Welt ist der Hof. Hier lebt er mit seinen Eltern undseinen beiden Geschwistern. Es gibt acht Hunde, Kühe und Tierkadaver. Über Tues Bett klebt ein Stern mit Kaugummi fest. Tues Vater liest die Zeitung von hinten, die Todesanzeigen zuerst. Tues Mutter zockt und spricht nicht viel, dabei hat sie eine schöne Stimme. Zum Frühstück gibt es Butterbrot mit Zucker. Das Geld fehlt, aber durch Hunde-Zucht, Goldzahn-Verkauf oder Kupferkabel-Klau ist auch mal eine Flasche Wein aus Kalifornien drin. Das ist dann wie Urlaub. Doch Tue sehnt sich nach mehr, er entdeckt seine Homosexualität, knüpft Freundschaften, und nach den Sommerferien will er das Gymnasium besuchen.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.12.2024
Rezensent Matthias Hannemann neigt dazu, die Lobeshymnen auf den jungen Autor Thomas Korsgaard zu bremsen. Jedenfalls hält er von diesem ersten Band einer gefeierten Trilogie weit weniger als der deutsche Verlag. Zwar besitze Korsgaard die Gabe, Tristesse mit einer gewissen Tragikomik zu bekämpfen, doch wollen die "reflexionsarmen Kapitel" nicht so recht zusammenkommen, moniert Hannemann. Korsgaard, der in dem Buch eigene Erfahrungen zum Stoff schriftstellerischer Bestrebungen verarbeitet habe, erzähle vom Aufwachsen in prekären Verhältnissen an der Peripherie der dänischen Gesellschaft, jenseits des "Hygge-Hochglanzes". Das Coming-of-Age-Element sieht Hannemann jedoch nicht über die Exposition kommen. Der Protagonist findet erst durch einen Freund, mit dem er homosexuelle Erfahrungen sammelt, einen Ausweg aus seiner bedrückenden familiären Situation. Manchmal liest er noch und denkt darüber nach, selbst Schriftsteller zu werden - traurige Geschichten ließen sich gut verkaufen, fasst Hannemann die Argumentationswelt des Protagonisten zusammen und damit auch Korsgaards Ansatz. Ob sich dieser als Schriftsteller über Dänemark hinaus etabliert, werden vielleicht die weiteren Bände der Trilogie zeigen. Hannemann bleibt aber skeptisch.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.11.2024
Peter Urban-Halle bescheinigt Thomas Korsgaard Talent, aber begeistert ist er von diesem ersten Teil einer Triologie über das triste Leben in der dänischen Provinz nicht. In seinem Heimatland ein Bestseller, fehlt Urban-Halle in der Geschichte über den zwölfjährigen Ich-Erzähler Tue zunächst einmal ein bisschen die Struktur: es handelt sich hier mehr um eine Aneinanderreihung von Erlebnissen als um einen gut konstruierten Roman - und vielen der Episoden fehlt zudem eine Art Pointe. Tue lebt mit seinen Eltern auf einem Hof und dort ist alles ziemlich schrecklich, resümiert der Kritiker. Finanziell und emotional läuft es sehr schlecht, kein Wunder, dass sich der "feinsinnige" Protagonist, der zudem homosexuell ist, inmitten von Schweinekot und emotionaler Vernachlässigung nicht wohl fühlt. Gut sind die "ruppigen" Dialoge, die ziemlich authentisch rüberkommen, findet der Kritiker. Im Großen und Ganzen kann ihn die Geschichte aber nicht mitreißen, bedauert er abschließend.
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 27.09.2024
Nach der Lektüre dieses ersten Bandes von Thomas Korsgaards Trilogie über das harte Leben eines Jungen aus einer prekären Bauernfamilie im dänischen Mittejütland kann Rezensent Peter Urban-Halle den Erfolg der Geschichte in Dänemark nur teilweise nachvollziehen. Das Leben auf dem runtergewirtschafteten Hof ist brutal, Szenen mit zerteilten Ratten und Kot muss der Leser erst einmal verkraften, warnt der Rezensent. Schwierig findet Urban-Halle auch den Umstand, dass es keine durchgehende Story gibt, eher tagebuchartige Situationen, aber mit lebendigen Dialogen. Die Hauptfigur, der zu Beginn der Handlung erst zwölfjährige Tue, ist eine eigensinnige, aber keine sympathische Gestalt, findet der Rezensent. Wirklich nah scheint er dem Protagonisten nicht zu kommen.
Themengebiete
Kommentieren

