Bernd Roeck

Gelehrte Künstler

Maler, Bildhauer und Architekten der Renaissance über Kunst
Cover: Gelehrte Künstler
Klaus Wagenbach Verlag, Berlin 2013
ISBN 9783803136459
Gebunden, 256 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Mit Abbildungen im Text und 16 farbigen Bildtafeln. Wie wird der Künstler vom Handwerker zum Gelehrten und schließlich zum zweiten Gott, der eigene Welten erschafft? Die Künstlerbrüder Benedetto und Giuliano da Maiano besaßen 29 Bücher, während in Michelangelos Nachlass kein einziges Buch verzeichnet ist. Leonardo bemühte sich noch als Erwachsener, Latein zu lernen. Alberti ist einer der ganz wenigen Renaissancekünstler, die an einer Universität studiert haben. Wie konnten diese Künstler so komplexe Bilderzyklen schaffen wie die Fresken der Sixtinischen Kapelle in Rom? Waren sie derart gebildet, dass sie auf das Stichwort eines Auftraggebers solche Werke allein entwarfen? Standen ihnen humanistische Gelehrte zur Seite, wurden sie, die nach dem Selbstverständnis ihrer Zeit zunächst bloß Handwerker waren, selbst zu Gelehrten? Dachten sie über ihre Kunst nach, reflektierten sie ihr Tun?
Bernd Roeck beantwortet diese Fragen - er beschreibt beispielsweise, wie nach und nach immer mehr Bildhauer, Maler und Architekten Italiens in der Lage waren, antike Schriften zu lesen und daraus eine neue Kunsttheorie formulierten. Es kam zu einer enormen Aufwertung der Kunst - und der Künstler, die sie schufen. Nördlich der Alpen war Albrecht Dürer der originellste Künstler-Theoretiker. Im Gegensatz zu seinen italienischen Kollegen musste er die Begriffe für eine theoretische Reflexion über Kunst selbst erst erfinden. Hier gab es niemanden wie Giorgio Vasari, das berühmteste Beispiel eines "denkenden Künstlers".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.09.2013

Mit Begeisterung hat Rezensent Hans-Albrecht Koch dieses Buch gelesen, das vor historischem Wissen nur so überbordet. Und dass sein Autor auch noch so mitreißend erzählen kann, rechnet er ihm doppelt positiv an. Der Neuzeithistoriker Bernd Roeck verfolgt in seiner Studie, wie sich die Künstler in der Renaissance von Handwerkern zu Gelehrten wandelten und somit in ihre Werke griechische Mythologie und Philosophie, aber auch Mathematik, Naturwissenschaften und Musik einfließen ließen. In Lorenzo Ghibertis Paradiespforte am Florentiner Baptisterium gehen etwa seine Studien zur Optik ein, Leon Alberto Battista gründet seine Proportionenlehre auf den konkreten Menschenkörper und die Rezeption Platons machte erst Leonardo da Vincis Begriff von der "gelehrten Hand" möglich (nach dem die Malerei die Natur vollkommener abbilde als die Poesie). Natürlich kommen auch Raffael, Dürer und Michelangelo zu ihrem Recht. Außerdem verschönern zahlreiche Abbildung dem Rezensenten die Lektüre.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.06.2013

Spätestens seit der Renaissance gelten Künstler mitunter als Gelehrte, die über ein umfangreiches Wissen in Gebieten wie Philosophie, Optik oder Geometrie verfügen, weiß Michael Rohlmann. Bernd Roeck hat in seinem Buch "Gelehrte Künstler" nun untersucht, wie diese darum rangen, der "Sphäre des niederen Handwerkers" zu entrinnen und in höhere Warten aufzusteigen, berichtet der Rezensent. Roeck liest den Anspruch auf akademische Noblesse allerdings nicht von den Kunstwerken ab, sondern lässt deren Erschaffer in Auszügen aus Traktaten, Briefen und Notizen selbst zu Wort kommen. Dass die Passagen über Größen wie Leonardo, Dürer oder Vasari etwas knapp ausfallen, möchte Rohlmann dem Buch wegen des ausdrücklichen Überblickscharakters nicht ankreiden, Roeck wird den eigenen Ansprüchen vollkommen gerecht, findet er.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 27.03.2013

Nicht vorbehaltlos überzeugt zeigt sich der Göttinger Kunsthistoriker Michael Thimann von Bernd Roecks Studie über "Gelehrte Künstler". Einerseits fasziniert den Rezensenten die auf die italienische Renaissance zurückgehende Wende, in der bildene Künstler begannen, sich theoretisch reflektierend mit der Kunst auseinandezusetzen und die Kunst somit zum Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchung zu erheben - genannt werden Leon Battista Alberti, Pomponius Gauricus, Giorgio Vasari, Paolo Pino, Giovanni Paolo Lomazzo und Karel van Mander. Roeck präsentiere sein Material "sehr zutreffend" und "erstaunlich übersichtlich", lobt Thimann, der sich allerdings andererseits daran stört, dass der Autor die Künstler "mit teilweise apodiktischen Wertungen und auch unschönen Beiwörtern von oben herab" versieht. Vor allem aber bedauert er Roecks Entscheidung, nur die theoretischen Texte der Künstler auf ihren Wissensgehalt zu untersuchen, nicht aber ihre künstlerischen Werke.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.03.2013

Eigentlich scheint das Buch ganz brauchbar zu sein. Es handelt sich um einen Artikel aus einem philosophischen Handbuch, so der rezensierende Kunsthistoriker Werner Busch, den der Autor für dieses Buch ausgeführt und durch launige Passagen (die Busch überflüssig erscheinen) angereichert hat. Insgesamt liefert das Buch nach Busch ein einschlägiges Referat der hier behandelten Renaissance-Autoren, wobei Busch allerdings eine stärkere Reflexion auf die Interaktion von Kunst und Theorie vermisst, denn nicht wenige der Gemälde der Zeit nehmen Theorien auf, scheinen sie gewissermaßen zu illustrieren oder in die Tat umzusetzen. Busch führt in der zweiten Hälfte seiner Rezension darum aus, wie er's gemacht hätte, um am Ende mit der Bemerkung zu schließen, dass er den Reichtum des nun mal nur von Roeck geschriebenen Buch hier nur habe andeuten können.