Volker Leppin
Gottesspuren. Das christliche Europa vor seiner Entzauberung
Vom Mittelalter bis zur Aufklärung
Klappentext
Mit zwei Farbbögen und zahlreichen Abbildungen. Für den Menschen des Mittelalters war Gott, waren die Schöpfung und das Transzendentale im Diesseits ganz real und selbstverständlicher Bestandteil des Alltags. Dadurch erhielt Religiosität eine Kraft und Bedeutung für die Welt der Vormoderne, die wir uns heute kaum vorstellen können. Die Herrschaft Gottes war so für viele weit realer und präsenter als etwa die Herrschaft des Königs. Seit Arnold Angenendts "Religiosität des Mittelalters" (1997) gibt es kein entsprechendes Standardwerk mehr. "Gottesspuren" füllt diese Lücke. Der Ansatz liegt dabei nicht bei den jeweiligen sozialen Aktivitäten, sondern vor allem bei den dahinter stehenden Vorstellungen, Konzepten und Mentalitäten. Leppin lässt uns also das Denken und Fühlen des religiösen Menschen verstehen - und wie die Religiosität den Alltag und die Lebenswirklichkeit prägte. Dabei sieht er als entscheidende Epochenschwelle die Zeit um 1800, also die Aufklärung, so dass in die Darstellung auch die Frühe Neuzeit einbezogen wird.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.07.2026
Rezensent Markus Friedrich ist begeistert von Volker Leppins "plastischer" Darstellung des traditionellen Christentums vor der Französischen Revolution. So schwierig es für uns heute ist, die einstige Gottesdurchwirktheit der Welt zu verstehen, so nachvollziehbar macht der Autor sie uns, jubelt Friedrich. Dass er dabei nicht unkritisch vorgeht und auch vor Ironie nicht zurückschreckt, gefällt Friedrich. Das Buch empfiehlt der Rezensent vor allem auch Laien. Weil Leppin seine Materialfülle schlau arrangiert und die Quellen aus verschiedenen Epochen virtuos kombiniert, bleibt das Buch laut Friedrich gut lesbar. So lernt er viel über Auslegungspraktiken der Bibel, den Auftritt der Heiligen, die Ideen und Bilder des Christentums und dessen "emotionales" Potenzial. Eine mit Sachkenntnis wie mit der pointierten Kontrastierung von gestern und heute überzeugende Darstellung, so Friedrich.
Kommentieren

