Friedrich Wilhelm Graf

Die Wiederkehr der Götter

Religion in der modernen Kultur
Cover: Die Wiederkehr der Götter
C. H. Beck Verlag, München 2004
ISBN 9783406517501
Gebunden, 329 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Auch die moderne Welt ist von Religionen geprägt: Viele Götter leben unter uns. Religiöse Glaubensformen und Sprachmuster beweisen in vielerlei Transformationen erstaunliche Beharrungskraft. Diesem Gegenwartsbefund verleiht das neue Buch des Münchener Theologen und Historikers Friedrich Wilhelm Graf historische Tiefenschärfe. Er analysiert anschaulich und pointiert die vielfach noch ungeschriebenen Religionsgeschichten der Moderne als Teil komplexer Wandlungsprozesse von Kulturen und Mentalitäten. Der Zeitrahmen spannt sich von den Religionsdebatten um 1800 bis zu den Menschenrechts- und Globalisierungsdiskursen des frühen 21. Jahrhunderts. Besonderes Interesse gewinnt dabei die Auseinandersetzung mit aktuellen kulturwissenschaftlichen Deutungsmodellen und die programmatische Überwindung der Engführungen einer konfessionalistischen Religionsgeschichte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 27.07.2004

Recht überzeugend findet Rezensent Balthasar Haussmann dieses Buch des Theologen Friedrich Wilhelm Graf, das sich mit den religiösen Entwicklungen der Gegenwart befasst. Von einem distanziert-wissenschaftlichen Standpunkt aus plädiere Graf gegen spirituelle Glaubenszugänge und für die theologische Reflexion. Zwar könne diese niemals das religiöse Geschehen ausloten, das ein innerliches sei, referiert der Rezensent, aber sie könne dazu beitragen, dem Fanatismus entgegenzusteuern, der in allen Religionen angelegt sei. In diesem Kontext diskutiere Graf einige überkommene und neue Instrumente der Reflexion über die "religiösen Deutungskulturen". Als "Glanzstück des Buchs" würdigt Haussmann das Kapitel über die "Religionsgeschichten der Moderne", in dem Graf die politische Aufgeladenheit von Begriffen wie "Dechristianisierung" oder "Säkularisierung" nachweise. Demgegenüber favorisiere Graf neue religionsdiagnostische Konzepte wie die in den USA entwickelten religious economics, die versuchten, das religiöse Geschehen mit Begriffen des Marktes zu fassen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.07.2004

Niklaus Peter ist von diesem Buch über die Religionen in unserer Zeit sehr beeindruckt. Vermisse man beim Thema der wiedererstarkenden Religionen gewöhnlich "die Tiefenschärfe", müsse man bei Friedrich Wilhelm Graf, dem Theologen und Ethiker aus München, nichts dergleichen befürchten, versichert der Rezensent. Der Autor lässt keinen Zweifel daran, dass die Religionen heute ein durchaus heterogenes Bild abgeben und setzt sich dafür ein, dass sie "präzise wahrgenommen und hinreichend verstanden" werden, so der Rezensent zustimmend. Das Buch ist in drei Teile gegliedert, einen methodischen Teil der drei neue "religionstheoretische Forschungsansätze" vorstellt, einen zweiten Abschnitt, in dem die "Ambivalenz des Religiösen in der Moderne" anhand von fünf Beispielen dargestellt wird und einem letzten Teil, in dem Graf für eine "bewusste Verbindung von Religionswissenschaft und universitärer Theologie" plädiert, fasst Peter zusammen. Er ist nicht nur von der "analytischen Kompetenz" und der "argumentativen Kraft" Grafs begeistert, sondern ist besonders von der vom Autor "praktizierten Verbindung von neuzeitlicher Religionswissenschaft und Theologie" sehr eingenommen. Einzig von den eigenen theologischen Grundsätzen des Autors hätte der Rezensent gerne noch etwas mehr erfahren, doch das kann seine Begeisterung für dieses Buch nicht nachhaltig schmälern.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.05.2004

Eine willkommene "Ausnahme" bildet Friedrich Wilhelm Graf unter den deutschen Universitäts-Theologen, freut sich Hans G. Kippenberg. Im Gegensatz zu seinen Kollegen habe der Systematische Theologe der Universität München in seinem Buch Wesentliches zur Analyse der religiösen Landschaft der Moderne beigetragen. In "offensiver Auseinandersetzung" macht Graf Schluss mit der Idee, dass der "statistische Rückgang" der Kirchenbesucher gleichzusetzen sei mit einer Entchristlichung der Kultur. "Konsequent" zeigt der Autor auf, wie lebendig Religionen auch heute noch sind, zum Beispiel in der Ökonomie, wo sie als "dauerhafte" Werte wirken. Leider, klagt der Rezensent, will Graf im Verlauf des Buches dem Leser "weismachen", dass Theologen den Religionswissenschaftlern in der Analyse der Bedeutung von Religion überlegen seien. Ein "schillernder Kontrast" ist die Folge, da der Autor selbst sich auf "exzellente Studien" stützt, die überwiegend von der für unterlegen gehaltenen Gattung der Religionswissenschaftler stammen.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 25.03.2004

Gott war längste Zeit tot, jetzt ist er back in town - Ludger Heidbrink zufolge ist das eine der gängigsten Aussagen über unsere nachmoderne Gegenwart. Friedrich Wilhelm Graf hat eine Bestandsaufnahme des "religious turn" vorgelegt und damit einen sehr guten Eindruck beim Rezensenten hinterlassen, vor allem deshalb, weil Graf "das Aufflammen heiliger Kriege und religiöser Kulturkämpfe in den historischen Kontext stellt". Wir wenden uns Gott zu, weil die Welt überkomplex ist und wir uns nach sinnstiftenden Ordnungen sehnen, so die These des Buches. Doch ist das wirklich wahr, fragt der Rezensent, der sich nicht sicher ist, ob es wirklich so weit her ist mit der "Renaissance der Religion". Ist es nicht doch nur ein "periodisches Phänomen" und als solches Abschnitt einer umfassenderen "Säkularisierungsgeschichte"?