Luther war der einflußreichste "Ketzer" der Kirchengeschichte. Seine beispiellose Fähigkeit, als Prediger, Professor und Publizist das Ohr seiner Zeitgenossen zu erreichen, machte ihn zum meistgelesenen Theologen des 16. Jahrhunderts. Thomas Kaufmann schildert anschaulich die enge Verbindung von Luthers reformatorischer Theologie mit den geschichtlichen Erfahrungen seiner Zeit: Luther lebte in der Gewissheit, dass Gott selbst am Ende der Zeiten eine Reformation seiner Kirche ins Werk setzt, und sah sich dabei umzingelt von - tatsächlichen oder vermeintlichen - Feinden des wahren Christentums: vom Papst und seinen Anhängern, von innerprotestantischen Abweichlern, von Türken und von Juden. Er beschreibt, wie Luther vor diesem Hintergrund die menschliche Existenz auf die "Freiheit eines Christenmenschen" in und zu Gott gründete und was es bedeutete, wenn der Mensch nicht mehr im Kloster, sondern im Beruf, in der Gesellschaft, in der Familie, allgemein "in der Welt", den Ort seines Gottesdienstes finden sollte.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 19.02.2007
Dorothea Wendebourg hat zwei ganz unterschiedliche Bücher zu Martin Luther gelesen und auch ihre Urteile stehen sich diametral entgegen. Da Thomas Kaufmann in seinem Band nicht versucht, gegen ein bereits bestehendes Luther-Bild anzurennen, gelingt ihm ein überaus vitales, dynamisches Porträt des Kirchenreformers, so die Rezensentin begeistert. Sowohl der Mensch als auch die theologischen Hintergründe gewinnen bei der Lektüre Kontur, freut sich Wendebourg, die einerseits die Gesamtperspektive des mit 120 Seiten eher schmalen Buchs als plausibel lobt, andererseits auch im Detail nichts zu beanstanden hat.
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