Der Roman "Wir verstehen nicht, was geschieht" folgt den Lebensspuren mehrerer realer Personen, im Zentrum steht der Physiker Lew Mischtschenko. Während seiner Haftzeit im Gulag schrieben er und seine Frau Swetlana einander Briefe. Diese will Mischtschenko dem Historiker List überlassen - unter der Bedingung, dass er mit ihm nach Petschora reist, hoch oben im russischen Norden, wo Mischtschenko neun Jahre im Lager verbrachte und wo ein Freund, Jakow Israelitsch, auf ihn wartet.
Rezensentin Nora Karches hat Viktor Funks neuen Roman mit gemischten Gefühlen gelesen. Durchaus verdienstvoll findet sie, dass sich hier einiges über das Gulag-System erfahren lässt. Angelehnt an die Biografie von Lew Mischtschenko, der zunächst in Deutschland in Kriegsgefangenschaft geriet und darauf in Sowjet-Russland für weitere acht Jahre im Gulag Petschora inhaftiert war, erzählt ihr Funk die Geschichte des fast gleichnamigen Lew Mischenko, der sein Leben auf einer 32-stündigen Zugfahrt im Gespräch mit dem Historiker Alexander List, einem Alter Ego des Autors, Revue passieren lässt. Funk hatte Mischtschenko in Moskau getroffen, um mit ihm über Überlebensstrategien zu sprechen, erfahren wir. Völlig unverständlich bleibt für die Kritikerin allerdings, dass der Autor in seinem Roman auf fiktive Haft-Briefe Lews an seine spätere Ehefrau Swetlana zurückgreift. Die bereits durch Orlando Figes im Jahr 2012 veröffentlichten Original-Briefe des Paares sind um einiges "aufregender, philosophisch dichter und literarischer", hält Karches fest.
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