Victor Sebestyen

Lenin

Ein Leben
Cover: Lenin
Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2017
ISBN 9783871341656
Gebunden, 704 Seiten, 29,95 EUR

Klappentext

Victor Sebestyen wirft in dieser Biografie einen neuen Blick auf Lenin: Ausführlich erzählt er vom Menschen Wladimir Uljanow, schildert sein Leben mit Freunden und Frauen, seine persönlichen Überzeugungen - und stellt diese dann gegen den Politiker und dessen Handlungen. Das Rätsel Lenin ist an seine Doppelgesichtigkeit geknüpft: hier der freundliche, großzügige, höfliche Wladimir Uljanow, dort der unerbittliche Revolutionär Lenin, der unzählige Todesurteile unterschrieb, der Gegner als Tiere beschimpfte und, wie Sebestyen zeigt, sie auch so behandelte, als er die Macht dazu hatte. Sebestyen lässt sichtbar werden, was für eine komplexe, zerrissene Persönlichkeit Lenin war. Bis heute wird Lenin in Russland verehrt und verherrlicht; aber auch über das Land, das er so prägte, hinaus fasziniert er als der Mann, der Geschichte schrieb, der eine neue Form von Staat schuf, die später von beinah der halben Welt übernommen wurde. Für Lenin war Politik etwas Persönliches, und Sebestyen gelingt es, das Augenmerk auf Lenin als Menschen zu richten und das private mit dem politischen Leben und Wirken zu verknüpfen. Victor Sebestyen wirft ein ganz neues Licht auf die Russische Revolution, einen der großen Wendepunkte der modernen Geschichte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.11.2017

Jörg Baberowski ist schwer enttäuscht von Victor Sebestyens "Lenin". Alles, was er hier liest, steht auch schon woanders. Darüber hinaus aber erfährt der Rezensent beinahe nichts. Dabei wäre über den Tatmenschen Lenin und über seine politischen Strategien noch so manches zu schreiben gewesen, meint Baberowski. Der Plauderton des Autors, wenn es um Lenins Kindheit, Verbannung und Exil geht, macht diesen Mangel für den Rezensenten bei weitem nicht wett. Und die Interpretation des Erzählten müsse der Leser leider selber leisten, so Baberowski.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 11.11.2017

Aktueller kann sich Philipp Fritz eine Biografie, die auf Ereignisse von vor hundert Jahren zielt, nicht vorstellen als Victor Sebestyens Lenin-Buch. Monumental erscheint ihm das Buch in vielerlei Hinsicht. Wie der Autor in angelsächsischer Manier spannend und lässig Lenins Porträt zeichnet, sein Verhältnis zu den Frauen erkundet und das Exil, die Kindheit und die Revolutionswirren, hat Fritz schwer beeindruckt. Schon weil Sebestyen weder glorifiziert noch dämonisiert, sondern Lenin als mal grausamen, mal ironischen Zeitgenossen zeigt, stets aber als Menschen. Die Detailfülle erschlägt den Rezensenten zwar etwas, trotz leichter Sprache, doch am Ende sieht er sich doch reich beschenkt. Die Ausblicke, die der Autor gewährt auf Stalinismus und weiter bis in unsere Zeit, findet Fritz besonders anregend.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.10.2017

Jan Plamper empfindet Victor Sebestyens Lenin-Biografie als überflüssig und unzeitgemäß. Dergleichen, nur besser, habe Robert Service bereits verfasst. Das Problem des laut Rezensent durchaus fesselnd und flüssig geschriebenen Buches sieht er in der hagiografischen Schlagseite, dem Hang des Autors zum Personalisieren. Neuere Arbeiten über den zeitgenössischen Nervositätsdiskurs, Lenins Rhetorik, den Vielvölkerstaat oder die bolschewistische Geschlechtergeschichte sowie die Trennung von Mensch und Mythos kommen im Buch nicht vor, wundert sich Plamper. Auf einen Lenin auf der Höhe der Zeit muss der Rezensent noch warten.

Beliebte Bücher

Shida Bazyar. Die Lücken - Roman. Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Shida Bazyar: Die Lücken
Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre…
Dana Vowinckel. Anton und Alma - Roman. Suhrkamp Verlag, Berlin, 2026.Dana Vowinckel: Anton und Alma
Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren…
Eva Menasse. Alleinruhelage - Roman. Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Eva Menasse: Alleinruhelage
Nach dem Ende der Ehe steht eine Frau mit ihrem Wochenendhaus plötzlich allein da. Hier hat sie einst mit der Familie die Idylle gesucht und will nun den Neuanfang wagen.…
Dörte Hansen. Broder - Roman. Penguin Verlag, München, 2026.Dörte Hansen: Broder
"Es zählt nur einer auf dem Hof, das ist der Sohn, der bleibt. Aber die anderen, die übrig sind, die zweiten, dritten, vierten Söhne und die Töchter, die nicht zählen, bleiben…