Band 1 herausgegeben von Heiner Becker und Nicolas Walter. Mit einer Einleitung, Anmerkungen und ausgewähltem Personenregister. In seiner Autobiografie erzählt Peter A. Kropotkin (1842-1921) in spannender und zugleich literarisch anspruchsvoller Weise von dem jungen Fürstensohn, der die absolute Autorität seines Vaters gegenüber der Familie und den Leibeignen kaum ertragen kann, von dem überaus wissbegierigen Schüler im Pagenkorp, der lernt, Demütigungen mit Widerstand zu begegnen, dem Offizier im Kosakenregiment, der seine antimilitaristischen Anschauungen begründet und sich für ein Leben als Wissenschaftler entscheidet...
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 14.02.2003
Als "anarchistischen Klassiker" würdigt Rezensentin Bettina Engels den russischen Anarchisten Peter Kropotkin (1842 - 1921), der mit seinen "Memoiren eines Revolutionärs" selbst die "beste Biografie" seines "märchenhaften Lebens" geschrieben habe. Wie kein anderer habe Kropotkin das sozialrevolutionäre Ideal einer Versöhnung von Theorie und Praxis verkörpert, was ihn für spätere Generationen zu dem machte, was nach anarchistischem Credo eigentlich nicht existieren sollte: eine Autorität. In ihrer langen Besprechung erzählt Engels die wichtigsten Stationen von Kropotkins Leben nach. Sie hebt hervor, dass es sich bei ihm entgegen der allgemeinen Meinung, der Anarchismus sei eine Jugendkrankheit, die man in reiferen Jahren überwinde, genau umgekehrt verhielt: Er war erst reich, dann (auf seine Weise) staatstragend, dann Wissenschaftler und zuletzt Revolutionär. Für Engels der Stoff, aus dem spannende Memoiren gemacht sind. Die vorliegende Neuausgabe der Memoiren hat sie dann auch rundum überzeugt. Engels lobt sie als "informativ und kritisch kommentiert". Sie räume mit dem Vorurteil auf, anarchistische Literatur sei nur echt, wenn sie auf schlechtem Papier, mit unleserlicher Typografie und zahllosen Druckfehlern erscheine. "Auf dem Weg vom Monument ins Archiv", so Engels resümierend, "darf nun auch Kropotkin seiner wissenschaftlichen Erschließung entgegensehen."
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