Mit 27 Jahren ist Evelyn Droste vom Leben im Allgemeinen und vom Ehealltag im Besonderen gelangweilt. Der privat wie beruflich stets auf Korrektheit bedachte Ehemann ist als Jurist am Bezirksgericht Moabit mehr mit seinen Gerichtsprozessen beschäftigt als mit seiner Ehefrau. Evelyn erwacht aus ihrer Lethargie, als auf einer Party der smarte, amerikanische Geschäftsmann Frank mit ihr anbandelt. Frank ist von Evelyns Leidenschaftlichkeit und ihrem Wagemut jedoch nicht minder überrascht als sie selbst. Während ihr Ehemann sie in der Obhut einer Freundin auf dem Lande wähnt, reist Evelyn nach Paris und verbringt dort eine Nacht mit dem Geliebten. Als sie am nächsten Tag das Flugzeug nach Berlin besteigt, ahnt Evelyn, dass ein Zurück in ihr altes Leben nicht möglich sein wird.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 30.03.2013
Erfreut zeigt sich Karl-Markus Gauß über diese Neuauflage von Vicki Baums "Rendezvous in Paris". Deren Romane verbinden für ihn gekonnt kurzweilige Unterhaltung und kluge Zeitdiagnose. Auch wenn das vorliegende Melodram über eine von ihrer Ehe gelangweilten Frau, die sich in einen anderen Mann verliebt und dafür aus ihrer sozialen Rolle ausbricht, nach Kitsch riecht, scheint es Gauß keineswegs solcher zu sein - auch aufgrund der handwerkliche Perfektion der Autorin, die es meisterlich versteht, die verschiedenen Perspektiven ihrer Protagonisten und damit deren eigene Wahrheit zu vermitteln.
Achtung, Spoiler! Rezensentin Ursula März begrüßt die Neuauflage von "Rendezvous in Paris". Kurzweilig und trotzdem voller Tiefe findet sie das Melodram aus den zwanziger Jahren. Von der Leichtigkeit der Erzählweise beschwingt, sieht sie über die Schwere der Ereignisse hinweg und erklärt kurzerhand den Tod der Protagonistin bei einem Flugzeugabsturz als Happy End, weil damit die Ordnung wiederhergestellt wird. Nach einem Wochenende mit ihrem Liebhaber in Paris kommt die Ehebrecherin Evelyn zu Tode. Aber Marianne, eine Freundin der Familie, nimmt ihren Platz ein, die, so März, ohnehin besser in die Zeit und an die Seite von Evelyns Mann passt. "Ganz schön viel Erzähltechnik für einen Unterhaltungsroman", lobt die sichtlich angetane Rezensentin.
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