Charlotte Moire hat einen Roman über eine Affäre geschrieben, die sie vor Jahrzehnten mit einem verheirateten Mann hatte. Aus der Erinnerung an Verlangen und Leidenschaft ist Fiktion geworden. Nun aber sitzt ihr, der über Siebzigjährigen, eine beharrlich insistierende Interviewerin gegenüber, vor der sie immer wieder abstreiten muss, diese Geschichte selbst erlebt zu haben. Immer schwerer fällt es Charlotte in ihren Auskünften, zwischen Werk und eigenem Leben zu unterscheiden. Unmerklich fließen die Geschichten zweier Frauen ineinander, die nichts miteinander zu tun haben sollen und doch viel gemein haben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.08.2021
Rezensentin Daniela Strigl muss Sylvie Schenks Schachtelroman um eine ältere Autorin im zweiten Liebesfrühling, Ehebruch inklusive, gleich noch einmal lesen, derart überraschend ist die Wendung am Schluss. Macht gar nichts, findet Strigl, und begibt sich erneut in den "virtuos" konstruierten, schwindelerregenden Text mit seinem verschachtelten Plot. Die Kürze des Romans sollte die Leserin nicht täuschen, warnt sie, das darin entfaltete Spiegelspiel mit Erlebtem, der Erinnerung an dasselbe und dem nur Fantasierten ist durchaus halsbrecherisch. Über das Wesen des Verliebtseins ist dabei aber allerhand zu erfahren, meint sie.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 24.04.2021
Rezensent Jörg Magenau findet die Verschachtelung in Sylvie Schenks Metaroman toll. Hier geht es um die Schriftstellerin Charlotte, die zu ihrem Buch interviewt wird, in dem sie das Ende einer großen Liebe autobiografisch verhandelt. Dass Schenk, Jahrgang 1944, mit Sicherheit bewusst ist, dass alle Interview-Antworten ihrer Protagonistin auf sie zurückverweisen, weiß Magenau - umso beeindruckter ist er davon, wie "brillant" die Autorin die drei Ebenen ineinander spiegelt, beispielsweise wenn sie Charlotte sowohl deren eigene Protagonistin als auch den verlorenen Geliebten mit "du" ansprechen lässt. Auch die dominanten Frauenfiguren und das Duell, das zwischen der Protagonistin und ihrer Interview-Partnerin entsteht, scheinen dem Kritiker zu gefallen. Ein Buch, das so vielleicht nur von einer älteren Autorin verfasst werden konnte, vermutet er abschließend.
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