Aus dem Französischen von Claudia Steinitz. Mitten in der Nacht, auf einer Bank in der Gare de L'Est: Die Züge stehen still, und auch das Leben scheint zum Stillstand gekommen. Wer hier sitzt, ist gestrandet, aus der Welt gefallen. Was hat Nelly, die erfolgreiche Theaterschauspielerin, hier zu suchen?
Bis gestern war ihr Tageslauf, ihr ganzes Denken magnetisch auf die Rolle, auf das fremde Leben ausgerichtet, das sie abends auf der Bühne verkörpert. Bis gestern, als sie im Moment ihres Auftritts den Mann in der fünften Reihe sah, der als einziger nicht zu ihr hinblickte. Was will er von ihr, dieser Mann, von dem sie sich vor Monaten getrennt hat, den sie immer noch liebt, selbst wenn sie sich weigert, auch nur seinen Namen zu denken? Der Körper versagt der Schauspielerin den Dienst, denn diese Liebe war kein Spiel.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 30.06.2017
Jörg Magenau weiß manchmal nicht, ob er es bei der Dramatikerin und Romanautorin Veronique Olmi mit schönen oder schon kitschigen Sätzen zu tun hat. Die Rolle des Zuhörers eines nächtlichen Monologs, die Olmi ihm in ihrem neuen Roman anbietet, nimmt er dennoch gerne an. So hört er die Konfession einer jungen, liebesgeplagten Schauspielerin an der Grenze zwischen Fiktion und Wirklichkeit, Rolle und Leben. Für Magenau zugleich eine Betrachtung zur Ästhetik des Theaters und über Narzissmus. Vor allem die Genauigkeit der Diktion hält den Rezensenten bei der Stange.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.05.2017
Rezensentin Irene Bazinger sieht in Véronique Olmis Text einen "herzensklaren" Theaterroman als Überhöhung eines Liebesromans. Dass bei einer Theater spielenden Protagonistin, für die die Welt eine Bühne ist, der männliche Part im Buch zur Nebensache wird, wundert Bazinger nicht. Die Reibung zwischen Realität und Fiktion in der Geschichte produziert laut Rezensentin aber genug Funken, um die Liebesgeschichte in Schwung zu halten. Paris als Schauplatz sorgt für Stimmungen, Olmis elegante Sprache bildet die Leidenschaften der Heldin packend ab, lobt Bazinger.
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