Jean Rolin

Boulevard Ney

Roman
Cover: Boulevard Ney
Berlin Verlag, Berlin 2009
ISBN 9783827007971
Gebunden, 220 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Holger Fock. Für Monate hat sich der Journalist und Romancier Jean Rolin in den billigen Kreditkartenhotels einquartiert, die den Pariser Autobahnring Peripherique säumen. Er sondiert sein Terrain wie ein General das Gelände vor der Schlacht, steigt zu den Boulevards hinab und begegnet auf seinen Streifzügen zwischen Boulevard Ney und Peripherique den Menschen, die den nordöstlichen Stadtrand von Paris bevölkern und in diesem "Zwischenreich" zu Hause sind: Außenseiter, Clochards, Fixer, afrikanische und osteuropäische Prostituierte. Er hat dabei Bilder aus dem Leben Michel Neys im Kopf, jenes Marschalls deutscher Herkunft, dem der Boulevard seinen Namen verdankt und den Napoleon einst als den "Tapfersten der Tapferen" rühmte. Aber nicht weniger heldenhaft und tragisch sind die Geschichten von heute, die Rolin von seinen Streifzügen mitbringt - die des Rollstuhlfahrers Cerbere, der im Brückenpfeiler der Stadtautobahn haust, des Ex-Offiziers Lito, Wachmann bei McDonald's, der aus Kabilas Truppen desertierte, oder der bulgarischen Prostituierten Ginka, die, von Messerstichen zerfetzt, auf der Böschung der Rue de la Clôture liegt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.10.2010

Die Details glänzen! In diesem Roman von Jean Rolin konzentriert sich Joseph Hanimann lieber aufs Kleine, als auf den großen Rahmen. Da nämlich schlampt der Autor etwas und Hanimann verliert nicht selten den Faden. Mit der richtigen Lesehaltung aber gelingt es dem Rezensenten, Rolins Welt der Fixer und Stricher und sich durchwurstelnden Sonderlinge, die sich am Boulevard Ney im Pariser Norden versammeln, das tragisch-Komische abzugewinnen, das den Helden auf Schritt und Tritt anhängt. Rolins Parallelisierung der Historie um Marschall Ney und Napoleon mit dem beiläufigen Geschehen in den Spelunken geht gerade so lässig vonstatten, dass Hanimann sich nicht daran stört. Auch gänzlich unverdächtig des Nervens bleibt Rolins "scharfe, sachliche Feder". Nur manchmal, wie gesagt, ist sie etwas zu zurückhaltend und der Leser kommt um den Anschluss.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.10.2009

Mit Hilfe des Glossars und einer, wie er findet, "makellosen Übersetzung" manövriert sich Rezensent Thomas Laux durch die Gegend um den Pariser Boulevard Ney. Dass Jean Rolins Buch ein Roman sein soll, möchte Laux nicht so recht wahrhaben. Laux erscheint das eher wie ein buntes dokumentatorisches Großstadtfresko. Als vielschichtiger, perspektivenreicher Blick auf die das Viertel prägenden Randexistenzen, auf kaputte Biografien und den Traum von Geld und Glück, geschrieben in der Tradition der großen Pariser Flaneure. Wunderschön zu lesen ist es allemal, findet der Rezensent. Zumal Rolins Text nicht nur an Connaisseure adressiert ist. Der aus Atmosphäre und sozialer Wirklichkeit entstehende Zauber funktioniert ganz gut auch für Paris-Novizen, freut sich Laux.
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