Varujan Vosganian

Buch des Flüsterns

Roman
Cover: Buch des Flüsterns
Zsolnay Verlag, Wien 2013
ISBN 9783552056466
Gebunden, 512 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Aus dem Rumänischen von Ernest Wichner. Varujan Vosganian breitet einen fein gewebten Teppich an Geschichten und Figuren vor uns aus. In Focsani, einer Provinzstadt in Rumänien, scheinen sich die Wege des aus seiner Heimat vertriebenen armenischen Volkes zu kreuzen: Da ist Sahag, der von seiner Mutter für einen Sack Mehl verkauft wurde, und Siruni, die von den Russen nach Sibirien deportiert wurde. Und da ist Großvater Garabet, der weise die Fäden dieser so wunder- wie grausamen Saga zusammenhält. Eine fremde und ferne Welt, voll von phantastischen Geschichten und von tragischer Geschichte - das Schicksal des Volkes von Armenien als epochaler Roman.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.10.2013

Ein "Jahrhundertbuch!" jubelt Rezensentin Sabine Berking nach der Lektüre von Varujan Vosganians "Buch des Flüsterns". Auch wenn der Autor vor allem als umstrittener neoliberaler und rechtspopulistischer Politiker Rumäniens bekannt ist, wird dieses Buch in die Literaturgeschichte eingehen, versichert die Kritikerin. Poetisch und zugleich "präzis-lakonisch" erzähle Vosganian die grausame und erschütternde Geschichte der Armenier. Die Rezensentin liest etwa vom Schicksal Hartin Fringhians, der in Rumänien ein großes Zuckerimperium aufbaute, auf dessen Grundstück er nach der sowjetischen Verstaatlichung gerade noch Walnüsse sammeln durfte, um sich einen knappen Lebensunterhalt zu sichern. Viele derartige historisch reale und literarisch erdachte Schicksale liest Berking hier und erhält auf diese Weise nicht nur tiefe Einblicke in die leidvolle Geschichte Armeniens, beginnend mit den Massakern von Trapezunt bis zu der Ermordung des türkisch-armenischen Journalisten Hrant Dink, sondern erfährt auch von fast vergessenem Unrecht, etwa von der von den Sowjets organisierten zweifelhaften Repatriierung Tausender Armenier. Dass diese in "orientalisch-patriarchalischen" Episoden erzählten tragischen Geschichten nun von Ernest Wichner exzellent und feinfühlig übersetzt wurden, ist ein großes Glück, findet die Kritikerin.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.10.2013

Ein herausragender Roman, lobt Rezensent Karl-Markus Gauß, wenn er den Autor auch für äußerst "fragwürdig" hält. Denn Varujan Vosganian, der heute als Wirtschaftsminister unter dem rumänischen Premier Pontra tätig ist, behauptet sich schon länger in der "korrupten" rumänischen Politik, informiert der Kritiker. Das mindert aber keineswegs den Wert des "Buch des Flüsterns", so Gauß, der hier eine brillant erzählte Saga des armenischen Volkes über viele Generationen liest. Bewegt folgt er zunächst den melancholischen Erinnerungen des Autors, der selbst als Armenier in der rumänischen Stadt Foscani geboren wurde und seine Kindheit in den Sechziger Jahren, armenische Bräuchen und Familiengeheimnisse schildert. Insbesondere erfährt der Rezensent aber hier in eindrucksvollen und erschütternden Passagen, wie die Armenier verfolgt wurden, ganze Dörfer ausgelöscht, Menschen massakriert, ausgeraubt, erschossen und in Straflager geschickt wurden. Ein Roman "erster Güte", der nicht nur ergreifend, warmherzig und zugleich humorvoll geschrieben ist, lobt der Rezensent, sondern zudem auch noch "leuchtend" von Ernest Wichner übersetzt wurde.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.08.2013

Einen "begnadeten Erzähler" erblickt Jan Koneffke in dem rumänischen Wirtschaftsminister Varujan Vosganian. Auch wenn er diesen als Politiker vielleicht nicht ganz überzeugend findet, als Autor hat er ihn sichtlich beeindruckt. Denn mit seinem 2009 in Rumänien erschienenen und jetzt in hervorragender deutscher Übersetzung vorliegenden Werk "Buch des Flüsterns" ist Vosganian seines Erachtens eine ebenso tragische wie phantastische Saga des armenischen Volkes gelungen. Der lakonisch erzählte und nie sentimental werdende Roman zeichnet sich für Koneffke durch eine Fülle an hinreißenden Figuren und berührenden Geschichten voller Komik, Tragik und Grausamkeit aus, die Vosganian souverän in einem "orientalischen Erzählteppich" zu einem eindringliches Panorama der armenischen Geschichte verwebt.
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