Mircea Cartarescu

Melancolia

Erzählungen
Cover: Melancolia
Zsolnay Verlag, Wien 2022
ISBN 9783552073050
Gebunden, 272 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Aus dem Rumänischen von Ernest Wichner. Mircea Cărtărescu schreibt über die Kindheit und das Heranwachsen. Und er enthüllt dabei die großen Themen des Lebens: Einsamkeit, Trennung, Liebe. Als seine Mutter einkaufen geht, ist der fünfjährige Junge überzeugt, sie kehrt nicht mehr zurück. Zuerst erkundet er die Wohnung, dann die nahe Kautschukfabrik, schließlich träumt er sich in das Kaufhaus Concordia. Um seine kleine Schwester von einer Krankheit zu heilen, unternimmt Marcel eine nächtliche Reise zum "Fuchsbau", vor dem sie sich am meisten fürchtet. Jahr für Jahr muss Ivan die Kleidungsstücke aussortieren, die ihm zu klein geworden sind. Als er Dora trifft und sich in sie verliebt, fragt er sich, ob auch Mädchen ihre Haut wechseln müssen.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 06.12.2022

Furchtlos hat sich Carsten Hueck mit Mircea Cartarescu in ein "labyrinthisches Panorama der Einsamkeit" begeben: Die Erzählungen des rumänischen Autors erinnern ihn an Kafka, aber auch an Märchen, Science Fiction, Comics und die Bilder von Hieronymus Bosch. Ein Universum bedrohlicher Bauten, in denen Geister genauso wie Insekten zu Hause sind. Postmodern erzählt, würden sich in diesem poetischen Kosmos Identitäten und Schauplätze ständig ändern - unter Zuhilfenahme sowohl der Naturwissenschaften als auch der Mystik. Faszinierend, findet Hueck, der mit ihnen die Welt neu zu sehen lernte. 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 18.10.2022

Für Rezensentin Katharina Granzin ist Mircea Cartarescu einer der seltenen Menschen, die die Kinderwelt des Phantastischen nie eingetauscht haben gegen die geordnete Welt der Erwachsenen. Das spiegelt sich für sie auch in den hier versammelten Texten Cartarescus über Kindheit und Jugend wieder. Cartarescu erzählt zum Beispiel von einem kleinen Jungen, der sich vorstellt, seine Mutter käme vom Einkaufen nicht mehr nach Hause. Er sitzt in der Wohnung, bewundert das Licht, traut sich schließlich raus und ... es geht gut aus in dieser Geschichte, aber das ist auch die einzige, bei der das so ist, erklärt Granzin, die noch eine kleine Verbeugung in Richtung des "kongenialen" Übersetzers Ernst Wichner macht.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 01.10.2022

Richard Kämmerlings warnt davor, Mircea Cartarescus Erzählungen auf die leichte Schulter zu nehmen. Der schmale Band könnte für den Leser unversehens zur Falltür werden, darunter das Labyrinth von Cartarescus Erzählkosmos. Was dem Leser dort begegnet, hat laut Kämmerlings viel von Kafka auf LSD, dreht sich um albtraumhafte Orientierungslosigkeit, fantastische Kindheitswelten im Bukarest der Sechziger und Siebziger und um die Erfahrung totaler Einsamkeit. Aus dem Werk des Autors vertraute Motive wie der Doppelgänger oder das Paralleluniversum leiten Kämmerlings durch Cartarescus "geistige Landschaften".