Dieser Filmkritiker verlor sein Herz im Bahnhofskino. Seine Liebe galt nicht der anerkannten Filmkunst, sondern den Western, Krimis, Komödien und wieder den Western. In ihnen entdeckte er Witz, Eleganz, Schönheit. Er schwänzte die Sonntagsmatinee und schaute sich dafür Will Tremper oder Sam Peckinpah oder Sergio Leone an. Und als er sich Jean-Luc Godard oder Stanley Kubrick zuwandte, mussten sie sich schon an Budd Boetticher oder Anthony Mann messen lassen. Kein Freund von Politfilmen, die ihre Thesen wie Transparente vor sich hertragen, sah er von Anfang an den Film, gerade auch den scheinbar trivialen, als Teil und Akteur gesellschaftlicher Umbrüche und politischer Auseinandersetzungen. Uwe Nettelbeck wurde zum streitbaren Verteidiger derer, die sich damals in Deutschland dem kulturellen Establishment entgegenstellten: Hellmuth Costard, Vlado Kristl, Martin Müller, Jean-Marie Straub.
Ach, das war noch Kritik, seufzt Philipp Goll beim Wiederlesen von Uwe Nettelbecks Filmessays, die dessen Tochter, die Filmregisseurin Sandra Nettelbeck, herausgegeben hat. Vorbildlich findet Rezensent Goll sie, weil sie ihn nicht nur lehrten, den Bildern und der Filmindustrie zu misstrauen, sondern auch dem Feuilleton, das für Nettelbeck genauso Teil des großen Verblendungszusammenhangs war wie Hollywood und Coca-Cola. In zweierlei Hinsicht fürchtet Goll allerdings, dass die Wirkung dieser Essaysammlung Nettelbeck nicht zupass kommen könnte: Zum einen werde seine Entwicklung als Autor deutlich (was Nettelback nie sein wollte). Zum anderen mag sich zumindest der Rezensent bestimmte Filme gar nicht mehr ansehen, aus Angst, sie könnten nicht halb so gut sein wie Nettelbecks ebenso "sensible" wie scharfe Analysen.
Juli Zeh: Pony Show Eine prominente Verlegerin unter Mordverdacht. Ein spektakulärer Schwurgerichtsprozess. Und die Frage: Wie verhandelbar ist die Wahrheit? Sie ist über fünfzig, verheiratet… Shida Bazyar: Die Lücken Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre… Botho Strauß: Bleiben und Blicken In Botho Strauß' neuem Buch geht es um die Zeit und ihr Vergehen, um den Zauber der Kunst, um das Originale und das Eigentliche. Vor allem sind es Begegnungen und Nichtbegegnungen,… Dana Vowinckel: Anton und Alma Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren…