Uwe Lehmann-Brauns

Benns letzte Lieben

Mit Originalbriefen von Gottfried Benn
Cover: Benns letzte Lieben
Verbrecher Verlag, Berlin 2019
ISBN 9783957323811
Gebunden, 120 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

1955 beginnt eine Liebesbeziehung zwischen der jungen, eleganten und selbstbewussten Journalistin Gerda Pfau und dem Schriftsteller Gottfried Benn - das ist auch der Benn-Forschung bislang unbekannt. Sie besucht ihn in der Praxis, er sie bei ihr Zuhause, auch gehen sie manchmal gemeinsam mit Benns Frau Ilse aus, die von der Affäre allerdings nichts weiß. Kurz vor seinem Tod endet die Beziehung, Ilse Benn und Gerda Pfau aber bleiben weiter hin freundschaftlich verbunden. Benn schrieb Briefe und kurze Mitteilungen an Pfau - "Erlaube ich mir doch, hiermit an Sie zu denken" -, auch kümmerte sich der Mediziner sehr um die Gesundheit seiner Geliebten: "Decken Sie sich nachts gut zu …" Und er kokettierte mit seinem Alter: "Sie sind doch eine umschwärmte junge Frau, wie kann ich da annehmen, dass Sie mir einen Nachmittag opfern!" Gerda Pfau da gegen antwortete ihm nie schriftlich, sie benutzte aus Gründen der Diskretion das Telefon.
Kurz vor ihrem Tod hat Gerda Pfau die Briefe, die Benn ihr schrieb, an den Kulturpolitiker und Anwalt Uwe Lehmann-Brauns, mit dem sie befreundet war, über geben, mit der ausdrücklichen Bitte, sie zu publizieren. Diesem Willen entspricht Lehmann-Brauns und veröffentlicht Benns Briefe hiermit erstmals. Darüber hinaus beleuchtet er die Liebesbeziehungen, die Benn in seinen letzten Lebensjahren pflegte, die Ehe mit Ilse und das Verhältnis zu seiner Tochter Nele - und untersucht, wie sich die Affäre mit Gerda Pfau da hineinfügte.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 11.04.2019

"Apart" ist das Wort, das Rezensent Helmut Böttiger zu Folge am besten zu diesem Büchlein passt, in dem Uwe Lehmann-Brauns, ehemaliger kulturpolitischer Sprecher der CDU, Gottfried Benns Briefe an die 30-Jahre jüngere Journalistin Gerda Pfau herausgegeben hat. Pfau hatte ihm die Dokumente ihrer geheimen Affäre mit dem Dichter damals anvertraut unter der Bitte, sie erst nach ihrem Tod zu veröffentlichen. Bis dato wusste also niemand von Gottfried Benns letzter Liebe. Ganz wie man es vom damaligen Dichterfürsten gewohnt ist, wird sich mit pikanten Details eher zurückgehalten, lesen wir. Die Gefühlsäußerungen und erotischen Anspielungen wirken geübt, und das Wichtigste wurde sowieso am Telefon ausgemacht, so der Rezensent. Der Reiz der Briefe liegt also offenbar weniger in deren Inhalt, als in den Umständen, die sie teilweise beschreiben. So findet Böttiger vor allem Benns Vorgeschichte interessant sowie die Professionalität, mit der Benn und Pfau ihr Verhältnis vor der Öffentlichkeit verbergen. Lehmann-Brauns ergänzende Texte indes sind dem Rezensenten lediglich zwei Sätze wert sowie den Kommentar, der Herausgeber sei offensichtlich kein Essayist. Dass das Bändchen nun gerade vom Verbrecher-Verlag herausgegeben wurde, findet Böttiger umso "aparter".