Benn und Berlin das scheint eher eine Selbstverständlichkeit. Seit Beginn seines Studiums 1904 ist er mit der Stadt eng verbunden, arbeitet hier, hat hier seine ersten literarischen Auftritte und Erfolge. Trotzdem weiß man über Benns Leben in Berlin relativ wenig; man kennt vielleicht seine Praxen in der Belle-Alliance-Straße (heute Mehringdamm) und in der Bozener Straße, aber die Lebensumstände, seine Gewohnheiten, seine eigene Welt, aus der heraus er die berühmten Texte und Gedichte schrieb, sind bisher nicht genauer erzählt worden. Das hat auch mit Benns Verschlossenheit zu tun: er liebte die Anonymität, er mochte nicht die Eitelkeiten der künstlerischen Eliten, wollte nur in seinen Texten in Erscheinung treten und nicht als öffentliche Person.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.12.2010
Angetan zeigt sich Stephan Speicher von diesem Buch über den Arzt und Dichter Gottfried Benn in Berlin, das der Germanist Joachim Dyck vorgelegt hat. Er schätzt den Autor als hervorragenden Kenner Benns und erinnert an dessen umfangreiche und detaillierte Studie "Der Zeitzeuge. Gottfried Benn 1929-1949", die vor vier Jahren erschien. Der vorliegende schön aufgemachte Band, der sich an ein breiteres Publikum wendet, profitiert in seinen Augen von dieser Studie. Gespannt folgt er dem Autor durch das Berlin Benns, in die Kaschemmen, die Arzt-Praxis, die Staatsbibliothek. Dycks Schilderung der Lebensumstände des Dichters in Berlin findet Speicher jederzeit interessant und aufschlussreich. Deutlich wird für ihn, dass Benn ein Großstadtmensch war, der in seiner geistigen Physiognomie viel mit der Stadt gemein hatte, die er liebte.
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