Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.05.2000
René Aguigah bespricht in seiner Rezension zwei Bücher, die sich mit der Stadt als realem Ort befassen. Der Rezensent scheint beide Bücher mit Gewinn gelesen zu haben.
1) Christina Reinhardt: "Die Richardstraße gibt es nicht"
Die Autorin, eine Geografin, hat in ihrem Buch eine Straße beschrieben, in der sie selbst lebt, referiert Aguigah. Dafür hat sie die Anwohner interviewt, die Atmosphäre beschrieben, in der diese Interviews stattgefunden haben und untersucht, was die Menschen mit dieser Straße verbindet. Dabei habe sie festgestellt, dass die räumliche Bindung weitgehend identisch ist mit der sozialen Bindung. Inhaltlich findet Aguigah dieses Ergebnis "wenig überraschend", aber in seiner Art dokumentiere der Band "eindringlich die Schwierigkeit, lokale Identität überhaupt an einem Terrain festzumachen." Doch steht für ihn nach der Lektüre fest, dass die Menschen in der Richardstraße subjektiv so etwas wie eine lokale Identität empfinden.
2) Ursula Keller (Hrsg.): "Perspektiven metropolitaner Kultur"
Die Autoren dieses Sammelbandes bezweifeln dagegen, dass Orte heute überhaupt noch eine "subjektive Bedeutsamkeit" haben. Dazu gehört auch die Stadt als Ort. Sie werde ersetzt durch chatrooms und Datenautobahnen. Ohne diese These abzutun gibt Aguigah zu bedenken, dass "vor der Reise in eine Zeit ohne Raum Bildung, Kultur und Geld stehen". Die Bewohner der Richardstraße zum Beispiel könnten damit nicht aufwarten.
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