Ulrike Draesner

Kanalschwimmer

Roman
Cover: Kanalschwimmer
Marebuchverlag, Hamburg 2019
ISBN 9783866482883
Gebunden, 176 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Dass er "zu sicher gelebt hat", begreift Charles mit Anfang 60, kurz vor seinem Ruhestand. Als seine Frau Maude ihm eröffnet, dass ein anderer Mann fortan das Haus mit ihnen teilen soll, setzt er ihrem Traum zunächst einen eigenen entgegen: einmal im Leben durch den Ärmelkanal zu schwimmen. Das Wasser - stark, anziehend, gefahrvoll - verändert Charles' Sicht auf sein Leben: auf die drei Sommer der Liebe in den Siebzigern, menschliche Leidenschaften, gescheiterte Utopien.Mit beeindruckender poetischer und psychologischer Intensität, sinnlich und humorvoll erzählt Ulrike Draesner die Geschichte einer Kanalüberquerung, die äußere wie innere Grenzen testet. Ein Aufbruch im Alter, ist das möglich? Gelten die frühen Ideale noch - oder wieder? Der Kanal ist kalt, die Strömung mächtig. Am Ende wird Charles klar, dass er nicht über seinen Schatten springen muss. Er kann ihn durchschwimmen.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 14.12.2019

Diesen Roman könnte man sowohl der Gattung der Sport- als auch der der Lebenskrisenliteratur zurechnen, erklärt Rezensent Richard Kämmerlings: Der Protagonist ist in den Sechzigern, als er von seiner Frau für seinen besten Freund verlassen wird und beschließt, den Ärmelkanal zu durchschwimmen. Dem Kritiker zufolge ist es der Autorin gelungen, die Extremsporterfahrung als Meditation darzustellen, in deren Verlauf die gebeutelte Hauptfigur sich selbst auf den Kopf stellt. Dabei beweist Draesner außerdem ihr poetisches Können und erschafft ein beindruckendes Stück Nature Writing, lobt Kämmerlings. Erst nach der Lektüre ist dem Rezensenten aufgefallen, wie unrealistisch es sei, dass der schwimmende Protagonist entscheidende Momente in seinem Leben nicht vorwegnehme - beim Lesen hat ihm die lineare Entfaltung seines Schicksals aber sehr gut gefallen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.12.2019

Rezensent Christoph Bartmann lobt die Virtuosität von Ulrike Draesners literarischer Behandlung eines Extremkraftexperiments. Wie und warum der Schwimmer Charly den Kanal von Dober nach Calais durchschwimmt, erfährt der Leser laut Bartmann in einem durchweg spannenden, weil nah dran am extremsportlichen Ereignis, und brillant erzählten Stück Prosa. Für den Rezensenten zwar eher eine Novelle, aber nichtsdestoweniger voller Einsichten in das Seelenleben des Helden und das dem Gewaltakt der Kanalquerung vorausgegangene Ehedrama.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 16.10.2019

Rezensentin Cornelia Geißler durchschwimmt mit Ulrike Draesners Held nicht nur den Ärmelkanal, sondern ein ganzes Leben. Wie die Autorin die Kanalquerung mit Muskelkraft zum Anlass nimmt, um ihre Figur, einen 62-jährigen Engländer, auf sein Leben, Lieben und Leiden zurückblicken zu lassen, findet sie lesenswert. Sog entwickelt der Text für Geißler vor allem durch Rhythmus und Zeitbezüge (Brexit, Flüchtlinge, Thema Altern) und weniger durch das komplizierte, in England und Deutschland sich verzweigende erinnerte Beziehungsgeflecht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.08.2019

Rezensentin Wiebke Porombka liest Ulrike Draesners neuen Roman als "literarisches Gegenstück" zu deren im vergangenen Jahr erschienenen Essay "Eine Frau wird älter". Denn hier wie dort verhandelt die Autorin ohne Heilsversprechen, aber mit "beglückenden Einsichten" Krisen, Zukunftsängste und Selbstfindung, erklärt die Kritikerin. Mehr noch: Wenn ihr Draesner von dem Biochemiker Charles erzählt, der kurz vor dem Ruhestand mit einer alten Lebenslüge konfrontiert wird und in Folge beschließt, allein den Ärmelkanal zu durchschwimmen, vernimmt Porombka zwar durchaus das Rauschen von Hemingways "Santiago" oder Melvilles "Ahab" im Hintergrund. Dank Draesners zarter Poesie und ihrer "feinsinnigen" Romankonstruktion bekommt das alte Thema des männlichen Eroberers des Meeres aber einen weiblichen Kontrapunkt, schließt die Rezensentin.
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