Antje Ravic Strubel

Fremd Gehen

Ein Nachtstück
Cover: Fremd Gehen
Marebuchverlag, Hamburg 2002
ISBN 9783936384017
Gebunden, 190 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Am Anfang steht ein Mord. Daniel Stillmann, Student im siebten Semester der Mathematikwissenschaft, mag keine Probleme, für die es genau zwei einander widersprechende Lösungen gibt - weder in seinen Gleichungen noch im Leben. Als er Zeuge eines Verbrechens an der Kreuzberger Admiralsbrücke wird, lässt ihn die kalte Logik seiner Formeln im Stich. Er steht vor einer großen Unbekannten, gerät in eine Spirale der Angst und fürchtet immer mehr, die Geschichte eines anderen zu leben...

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.03.2003

Trotz einiger Kritik spricht Kai Martin Wiegand dem dritten Roman von Antje Ravic Strubel ein großes Lob aus. Nachdem der Anfang des Romans wie der eines konventionellen Krimis wirke, werde schnell klar, dass es sich dabei nur um die Erfindung zweier Freundinnen handele, die einen Roman schreiben. Nachdem die eine der Freundinnen verschwunden ist, schreibt die zweite allein weiter, und für sie beginnen Realität und Fiktion miteinander zu verschwimmen. Die Handlungsebene werde daher immer komplexer, und es sei überaus deutlich, dass es von diesem Punkt an nicht mehr um die Handlung an sich gehe, sondern vielmehr um "Interferenzen zwischen dem Schreiben und dem Leben". Ein einziges und deutlich gekennzeichnetes Konstrukt sei dieser Roman, so der Rezensent, und manches Mal wähle die Autorin vielleicht die falsche der von ihr aufgezeigten Alternativen, so dass es der Handlung an sich letztlich an Sinn fehle. Dennoch werde Strubels Talent hierin mehr als deutlich, besonders auch in ihrer hervorragenden Charakterzeichnung der Erzählerin.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.01.2003

Antje Ravic Strubels "Fremd Gehen", ihr dritter Roman innerhalb eines Jahres, hat Jörg Magenau ganz und gar nicht überzeugt. "Man müsste diese Produktivität bewundern", urteilt er gleich eingangs, "wäre das Ergebnis nicht so dünn." Denn mehr als ein Exerzitium in Sachen "Wie denke ich mir eine Geschichte aus und worüber um Himmels willen soll ich bloß schreiben?" ist nach Ansicht Magenaus nicht dabei herausgekommen. Strubel demonstriere das Handwerk des Erfindens und Konstruierens und zahle dafür einen hohen Preis. Die Handlung des Romans kritisiert Magenau als "schrecklich ausgedacht", ohne "Sogkraft". "Leerstellen überall, Projektionen, Imaginationen, Konstruktionen", macht der Rezensent ausfindig, und das nervt ihn gewaltig. "Geheimniskonstruktion allein macht noch keine gelungene Literatur", hält Magentau fest, "vor allem dann nicht, wenn die konstatierte Leere mit bedeutungsschweren Sentenzen vollgestopft wird."
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 09.10.2002

Schade, dass sich Antje Ravic Strubel in ihrem "Nachtstück" über zwei "schön schräge" Beziehungskonstellationen literarisch übernommen hat, bedauert Frauke Meyer-Gosau. Denn die in sich "verrückten" Geschichten über einen Mathematikstudenten, einen alten Mann, ein "Ich" und dessen Freundin Marlies sind in ihrer Konstruktion so verschoben und irrwitzig angelegt, dass sie am Ende doch erstaunlich "unheimlich" zusammenpassen würden, findet die Rezensentin, wenn sie nur nicht so überladen wären: mit Details des "Lokalkolorits" Berlin-Kreuzberg und allerhand sich zunächst aufdrängenden Fragen, die zu stellen der Leser aber zunehmend müde werde. Denn auf Dauer bewirkt die sich einstellende Verwirrung darüber, wer wen ermordet haben könnte, einen "etwas bekümmernden Sog", so die Rezensentin. Und so manche philosophische Ausführung hätte Strubel besser unterlassen, denn vorgeblicher "Tiefsinn" entpuppt sich bei näherem Nachdenken als "Nonsens", schimpft Meyer-Gosau, die außerdem wegen manch kitschiger Passage und etwas überdeutlicher Anleihen bei Ingeborg Bachmann am Ende aus ihrer Genervtheit keinen Hehl macht.