Ulla Lenze

Schwester und Bruder

Roman
Cover: Schwester und Bruder
DuMont Verlag, Köln 2003
ISBN 9783832178543
Gebunden, 224 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Martha ist Lukas' Schwester. Ist das ein Grund, sich nach einem Jahr der Trennung auf den Bruder zu freuen? Als Lukas aus Indien zurückkehrt, ist er von seinen Eindrücken überwältigt, die Begegnung mit einem Wandermönch hat ihn verwandelt. Er glaubt, gefunden zu haben, was ihn glücklich macht. Martha sträubt sich gegen seine unglaublichen Berichte. Lukas findet sich zu Hause nicht zurecht. Er wird krank und erblindet. Martha überwindet sich, den Bruder nach Indien zu begleiten, um den rätselhaften Mönch wieder zu finden. Ein gegensätzliches Paar macht sich auf die Reise: Die misstrauische Schwester führt den blinden Bruder auf der Suche nach einem Geheimnis, das zwischen den beiden selber liegt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.10.2003

Kai Martin Wiegand kann diesem Buch, das versucht, "Orient und Okzident in einer auf- und abgeklärten Romanhandlung zusammenzubringen", nicht viel abgewinnen. Ihn stören die "erbaulich-kritischen Lektionen" zum Thema Religion, die wenig zur Handlung beitragen, und die Überstrapazierung des Hauptmotivs - Schuldgefühle, die die Protagonistin wegen des Todes ihrer Großmutter hat. "Psychologischer Realismus" ist nach Meinung des Rezensenten das gewählte "Erzählprogramm". Wiegand, das wird in seiner Besprechung deutlich, hat sich bei der Lektüre gelangweilt: Der Autorin "gelingt es nur selten, eine Situation entstehen zu lassen, die interessanter wäre als ein Pfaffe, der beim Inder in der Bismarckstraße Chicken Curry isst". Dementsprechend langsam kommt die Handlung voran. Den Schluss des Romans findet Wiegand dann zwar ganz gelungen, doch bis dahin war es für ihn ein weiter Weg.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 08.10.2003

Für insgesamt gelungen hält Jörg Plath den Debütroman von Ulla Lenze, der ja auch mehrere Preise erhielt. Ein "modernes Märchen", schreibt Plath über "Schwester und Bruder", das von einem entzweiten Geschwisterpaar berichtet, das wieder zueinander findet. Eine gemeinsame Reise nach Indien stiftet diese verlorene kindliche Einheit wieder, wobei der eigentliche Grund für die Geschwisterentzweiung reichlich banal wirkt, gesteht Plath. Dennoch entwickle die Autorin in Gestalt der so unterschiedlichen Geschwister einmal einen realistischen und einmal einen magischen Zugang zur Welt, ihre Annäherung an Indien sei durchaus glaubwürdig wie überhaupt das ganze Personal des Romans. Dass er das Buch nicht aus der Hand gelegt habe, läge an der spröden Erzählerstimme der Schwester, überlegt Graf, der es gelänge, ihr Widerstreben, ihr zögerndes Einlassen auf die indische Weltsicht glaubhaft zu machen und ebenso bruchstückhaft aus der Kindheit zu berichten, alles in Andeutungen und so geheimnisvoll dosiert, dass man immer weiter lesen möchte. Der Respekt vor dem Unaussprechlichen, in das jedes menschliche Handeln gebettet ist, sei die Stärke des Romans, schließt Plath.
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