Hans Ehlert (Hg.), Armin Wagner

Genosse General!

Die Militärelite der DDR in biografischen Skizzen
Cover: Genosse General!
Ch. Links Verlag, Berlin 2003
ISBN 9783861533122
Gebunden, 632 Seiten, 29,90 EUR

Klappentext

Anhand neuester Forschungsergebnisse werden der Weg dieser Männer in die Streitkräfte, ihre politischen Überzeugungen, ihr Führungsverhalten, ihre militärischen Leistungen, aber auch ihr Arrangement mit der SED-Diktatur, ihre persönlichen Konflikte sowie Brüche in ihren Lebensläufen dargestellt. Man erfährt, aus welchen unterschiedlichen Milieus die Spitzenmilitärs rekrutiert wurden, etwa Arno v. Lenski, Rudolf Dölling, Wilhelm Ehm, Heinz Hoffmann, Horst Stechbarth und Willi Stoph. Behandelt wird auch, welche militärische und politische Ausbildung beispielsweise Rudolf Bamler, Bernhard Bechler, Friedrich Dickel, Erich Peter, Waldemar Verner, Kurt Wagner und Heinz-Bernhard Zorn erfuhren. Exemplarisch werden die Karrieren von Theodor Hoffmann, Heinz Keßler, Vincenz Müller, Fritz Peter, Wolfgang Reinhold und Fritz Streletz untersucht.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.01.2004

Eine aufschlussreiche Ergänzung der Militärgeschichtsschreibung zur DDR-Vergangenheit erblickt Rezensent Rolf Helfert in diesem Band, in dem verschiedene Autoren Lebensweg und Karriere von 19 Generalen und Admiralen der DDR-Streitkräfte darstellen. Wie Helfert berichtet, handelt es sich weniger um biografische Skizzen, als um Kurzbiografien, die auf einer soliden archivarischen Basis" beruhen. Manche Offiziere würden hier erstmals seriös porträtiert. Die Methodik des Bandes - die Verfasser wenden das "Generationenkonzept" an, wonach jeweils "gemeinsame Erfahrungs- und Erlebnisschichtungen" eine Altersklasse konstituieren, und verknüpfen das "Biografisch-Individuelle" mit allgemeinen Fragestellungen - lobt Helfert als "gut gewählt". Schließlich entsprächen jeder Offizier-Generation bestimmte Phasen der DDR-Militärgeschichte. Die Generation der ehemaligen Wehrmacht-Offiziere mit ihren gebrochenen Lebensläufen ist demnach zu unterscheiden von der "zweiten Gründergeneration", die vor allem aus Altkommunisten bestand, und von der "dritten Generalsgeneration", Generälen, die 1945 relativ jung waren und meist aus ärmlichen sozialen Verhältnissen stammten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.01.2004

Die Öffnung der DDR-Archive hat den Historikern ein großes Arbeitsfeld beschert. Die diversen Autoren der insgesamt neunzehn biografischen Skizzen von Angehörigen der militärischen Elite der DDR seien zumeist junge Militärhistoriker, so Peter Jochen Winters, der sich über die repräsentative Auswahl und die Qualität der Beiträge beglückt zeigt. Herausgegeben wurde das Buch vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt in Potsdam, teilt er mit. Drei Personengruppen haben die Autoren in der Armeeführung und an der Spitze der kasernierten Volkspolizei ausgemacht: den Typus des ehemalige Wehrmachtsoffiziers, der "antifaschistische Umerziehung" genossen hat und zum Aufbau der Volksarmee aufgrund seines Wissens unverzichtbar war; die Altkommunisten und Spanienkämpfer; und als dritte Gruppe jüngere Unteroffiziere der Wehrmacht, die als "Aufbaugeneration" und Parteisoldaten dienten. Die Archivlage machte es möglich, so Winters, die verschiedenen Lebenswege der Betroffenen zu schildern und in Erfahrung zu bringen, wie sie nach 1945 auf ranghohe Posten gelangten und sich mit der SED arrangierten: ein verheißungsvoller Ansatz zur Aufarbeitung der DDR-Geschichte, freut sich unser Rezensent.