Berlin-Mitte - eine große Bühne? Längst wird Politik in den Medien gemacht und allzu leicht wird dabei übersehen, dass die öffentliche Selbstinszenierung vor allem eines offenbart: Der Bezug zur Wirklichkeit geht mehr und mehr verloren, die Kluft zwischen Regierenden und Regierten wird immer größer. In aller Deutlichkeit legt Tissy Bruns den Finger in die Wunde "Demokratieverdrossenheit" und zeigt zugleich, was sich ändern muss - die spannende Analyse einer der bekanntesten Journalistinnen des Landes.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 22.04.2008
Helmut Lölhöffel begrüßt dieses Buch über die politische Berichterstattung, das die erfahrene Journalistin Tissy Bruns vorgelegt hat. Er findet hier eine überaus kritische Auseinandersetzung mit der zunehmenden Geschwindigkeit in den Medien, dem Trend zur Verflachung, der Betriebsblindheit von Politikern und Journalisten sowie dem Umgang mit Umfragen. Bruns' Sichtweise bezeichnet Lölhöffel als "pessimistisch", aber zugleich nah an der Wirklichkeit. Er schätzt ihr Gefühl für "langlebigere Schrittfolgen" und ihre überzeugenden Argumentationen. Dass Bruns mehr Fragen aufwirft, als sie beantwortet, macht für ihn das Buch "glaubwürdig" und die Autorin "sympathisch".
Tissy Bruns geht mit dem politischen Journalismus streng ins Gericht und fordert eine Abkehr von Sensationsberichterstattung und "Infotainment", stellt Rezensent Norbert Seitz in seiner knappen Besprechung fest. Die ehemalige Vorsitzende der Bundespressekonferenz attestiere der politischen Berichterstattung gravierenden Abstand zur "Lebenswirklichkeit" der Bevölkerung und werfe ihr vor, die grassierende Politikmüdigkeit zu fördern, so der Rezensent interessiert. Nicht zuletzt, weil die Autorin nicht bei der Klage über die Zustände stehen bleibt, sondern zum Teil recht pointiert auch über zukünftige Entwicklungen sinniert, liest sich das Buch mit Gewinn, lobt Seitz.
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