Wir leben in Zeiten eines schleichenden Wandels der Gefühlskultur. Das Fernsehen ist der mächtigste Lieferant sozialer Botschaften und Vorbilder, den es je gab, und wird zum heimlichen Erzieher eines neuen Sozialcharakters. Schamgrenzen sinken, öffentliche und private Gefühlsdarstellungen haben Konjunktur. Die einzelnen verändern sich - und das hat Folgen für die gesamte Gesellschaft.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.10.2005
Die "Fakten", die Peter Winterhoff-Spurk in seinem Buch über die deutschen Fernsehkonsumenten und die Folgen aufbietet, sind laut Dorion Weickmann zwar "hinlänglich bekannt". Die These aber, die der Autor daraus gewinnt, weckt durchaus das Interesse des Rezensenten. Der Medien- und Organisationspsychologe Winterhoff-Spurk analysiert den Fernsehkonsum unter Einbeziehung von Soziologie und Pädagogik als "Religionsersatz" und konstatiert eine fortschreitende aus dem Fernsehen resultierende "emotionale und kognitive Verflachung", erklärt der Rezensent. Auch den vom Autor herausgearbeiteten "neuen Sozialtypus", der durch "Bindungsunsicherheit" gekennzeichnet ist und sich im Fernsehen scheinbare Verlässlichkeit und Sicherheit" holt, überzeugt Weickmann. Nur was die Lösungen der Fernseh-Misere angeht, ist der Rezensent nicht recht zufrieden, die findet er eher "einfallslos". Immerhin aber, so Weickmann, "empfiehlt" sich das Buch als brauchbare "Alternative zum Fernsehabend".
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