Die Grünen haben sich seit den frühen 1980er-Jahren von einer systemkritischen sozialen Bewegung zu einer staatstragenden Regierungspartei gewandelt. Das Buch zeichnet diesen Prozess nach und untersucht erstmals dessen Auswirkungen auf die Wählerklientel der Partei. Vor dem Hintergrund des Ergebnisses der Bundestagswahl 2002 werden die Zukunftschancen einer Partei diskutiert, die wie keine andere parteipolitische Skepsis verkörperte und sich schließlich doch den parlamentarischen Gegebenheiten anpasste. Die Autoren erörtern unter anderem die Frage, ob dieser Anpassungsprozess Bedingung des parlamentarischen Überlebens der Grünen ist.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 17.03.2003
Jürgen W. Falter ist den meisten aus dem Fernsehen gut bekannt, wo der Politikwissenschaftler häufig als Parteienexperte befragt wird. Gemeinsam mit einem Kölner Kollegen hat er sich nun daran begeben, den "langen Weg der Grünen" in essayistischer Form aufzubereiten, der in den Augen des Rezensenten Wolfgang Roth gar nicht so lang war. 1977 Parteigründung, 1983 erstmals in den Bundestag gewählt, 1985 der erste grüne Minister, ruft Roth die schnelle Karriere der Grünen ins Gedächtnis. Im Vergleich zu dem großen Grünen-Porträt von Joachim Raschke aus dem Jahr 2001 schneiden Klein/ Falter gar nicht schlecht ab; Raschke hatte mehr Insiderwissen, meint Roth, dagegen besteche Klein/ Falters "bündiger Abriss" der Anfänge und Entwicklung einer zwischen Basis- und Machtanspruch zerrissenen Partei. Nur gelegentlich erliegen die Autoren ihrem wissenschaftlichen Jargon, moniert Roth sanft. Folgerichtig findet er, dass Klein/Falter dem grünen Aushängeschild Joschka Fischer einen eigenes Kapitel widmen. Die Annahme, dass Fischer gegenüber seiner Partei ein unbegrenztes Erpressungspotential besitzt, hält er allerdings für übertrieben.
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