Kristina Borjesson (Hg.)

Zensor USA

Wie die amerikanische Presse zum Schweigen gebracht wird
Cover: Zensor USA
Pendo Verlag, Zürich 2004
ISBN 9783858425775
Kartoniert, 468 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Helmut Dierlamm. Mit einem Vorwort von Jean Ziegler. Die USA präsentieren sich stets als demokratische Weltpolizei, die für die Werte der freien Demokratie kämpft. Doch in Wirklichkeit herrschen andere Gesetze. Dieses Buch zeigt die Pressefreiheit, eines der wichtigsten Grundrechte jeder Demokratie ist in Gefahr.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.09.2004

Von uneingeschränkt funktionierender Pressefreiheit kann, das scheint dieser Band sehr nahezulegen, in den USA keine Rede mehr sein. Der investigative Journalismus wird vielfach behindert, ob etwas veröffentlicht wird, ist nicht selten keine Frage der Belege, sondern von "Geld und Beziehungen". In dreizehn Essays wird dieser Besorgnis erregende Stand der Dinge an verschiedenen Beispielen untersucht, von einem Skandal um hormonverseuchte Milch" bis zum "Flugzeugabsturz kurz vor den Olympischen Spielen 1996". Der Rezensent (Kürzel "R.St.") äußert keine Kritik an den vorgebrachten Thesen, findet allerdings, dass es nichts geschadet hätte, wenn einige der in diesem Band versammelten Autoren ihre Geschichten ein wenig "spannender" zu erzählen verstünden.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.04.2004

Kaum fassbar findet Dorothea Heintze, was sie in diesem über die Zustände in den amerikanischen Medien erfahren hat. Darin berichten 13 Journalisten, wie ihre Geschichten zu politisch brisanten Ereignissen unter dem Deckel gehalten wurden. Missliebiges im Spiel ums Öl, zu O.J. Simpson, zum Chemiekonzern Monsanto wurde ebenso wenig veröffentlicht, wie Heintze darstellt, wie Greg Palasts berühmte Geschichte um die gestohlenen Stimmen von Florida. So zitiert die Rezensentin zustimmend Palasts Worte, nach denen sich "die Rupert Murdochs dieser Welt" inzwischen "eine Herde gefügiger Schafe herangezüchtet haben".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.03.2004

Unangebracht ist schon der Titel, "Zensor USA. Wie die amerikanische Presse zum Schweigen gebracht wird", findet Rezensent Werner Link, der sich mit einer ganzen Reihe von Büchern befasst, die die USA auf der Anklagebank sehen und für die Regierung Bush nicht viel Sympathie übrig haben. Generell kann er sich mit der Einseitigkeit und Zuspitzung der Argumentation gegen die USA, die die meisten dieser Bücher an den Tag legen nicht anfreunden. Auch im vorliegenden Fall erscheint Link einiges übertrieben: Gewiss, die Essays des von Kristina Borjesson herausgegebenen Bandes zeigten Vertuschungsversuche mannigfacher Art, Behinderung der Recherchen, Desinformation und in einigen Fällen Beeinträchtigungen der journalistischen Karriere. "Aber", beharrt Link, "die Recherchen konnten durchgeführt und deren Ergebnisse veröffentlicht werden, manchmal in alternativen Medien." Das im Band mehrfach zitierte Diktum des amerikanischen Präsidentensprechers, "You better watch what you say", empfindet er auch nicht, wie Jean Ziegler, als "hoch offizielle brutale Drohungen". Der Essayband selbst ist für Link Beleg genug, dass die amerikanische Presse entgegen der Behauptung des Untertitels des Buches keineswegs "zum Schweigen gebracht" wird.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 20.03.2004

Dieser Abgesang auf den investigativen Journalismus in den USA schildert mit größtenteils "unangemessenen Pathos" die "Leidensgeschichten von Einzelkämpfern gegen die Redaktions-, Agentur und Senderleitungen", urteilt Thomas Leif harsch. Der Band versammelt Essays, die anhand einzelner Punkte wie der "gefälschten" Präsidentschaftswahl und dem Irak-Krieg der Frage nachgehen, wie der "Zensor USA" den kritischen Journalismus unterläuft, so der Rezensent. Zwei grundsätzliche Stoßrichtungen der Kritik konnte Leif in den Insiderberichten ausmachen: Einerseits den - allerdings überall üblichen - Produktions- und Kostendruck und den damit zusammenhängenden "Mainstream-Journalismus", den einer der Autoren, Greg Palast, durch die Neigung selbstzufriedener und "lethargischer" Redakteure kennzeichne, die vorgefertigten Erklärungen von Nachrichtenagenturen und PR-Abteilungen "zu verdauen und dann nachzudrucken"; andererseits eine "gezielte" Zensur, die insbesondere von der Herausgeberin des Bandes, Kristina Borjesson, ins Visier genommen wird: diese reiche laut der Autorin von "Informationsblockaden der Behörden" bis hin zu den "Desinformationsstrategien des FBI". Doch scheint der Band, folgt man unserem Rezensenten, selbst nicht gerade ein Muster journalistischer Recherche zu sein - die Autoren polemisieren zumeist im Stil subjektiver Erzählungen, ohne ihre Recherchewege offen zulegen, meiden "differenzierte Auseinandersetzung" mit möglichen Gegenpositionen und scheinen, wie Leif spitz anmerkt, dem Motto zu folgen: "Zu viele Fakten hemmen den Erzählfluss".