Tilman Jens

Axel Cäsar Springer

Ein deutsches Feindbild
Cover: Axel Cäsar Springer
Herder Verlag, Freiburg im Breisgau 2012
ISBN 9783451305429
Gebunden, 177 Seiten, 16,99 EUR

Klappentext

"Enteignet Springer" war eine der zentralen Forderungen der 68er-Bewegung. Die Abneigung gegen Springer und die Springer-Presse eint 68er wie politische Linke bis heute, die alten Reflexe funktionieren noch immer. In der DDR war Springer einer der meistgehassten Protagonisten des Westens. Auf Springer-Seite wird hingegen gerne jede Kritik an Axel Cäsar Springer ausgeblendet. Entweder Verdammung oder Heiligsprechung. Tilman Jens porträtiert einen großen, aber auch zutiefst zerrissenen Menschen. Vor allem aber interessiert Jens, welche Rolle das Feindbild Springer für die politische Identitätsbildung der 68er wie ihrer Gegner spielte. Ein Lehrstück darüber, wie Helden und Bösewichte gemacht werden, und über die deutsche Unfähigkeit, die Ambivalenz großer Persönlichkeiten zu akzeptieren.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.05.2012

Von wegen Axel Springer! Eher als den Verleger trifft Michael Hanfeld in diesem Buch (Hanfeld nennt es einen kulturkritischen Essay) von Tilman Jens auf die Projektionsfläche Springer. Der Autor, so erfahren wir, kompiliert eigene Recherchen zum Springer-Verlag, etwa zur spitzelnden Springer-Sekretärin Rosie. Im Übrigen, dem Menschlichen nämlich, verlässt er sich auf die bekannten Biografien von Jürgs und Schwarz. In Ordnung, findet Hanfeld, der sich jedoch an der rhetorisch mächtig dicken Hose des Autors und mancher überflüssigen Verallgemeinerung stört. Sympathische Erkenntnisse, wie jene zum Feindbild- und Schwarzweißdenken, das dem Menschen mit Licht und Schatten nicht gerecht wird, scheinen ihm zu wenige in diesem Buch.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 24.04.2012

Christian Thomas stellt Tilman Jens' Buch über Axel Cäsar Springer vor, über das der Autor mit dem Kurator der Springer-Ausstellung im Jüdischen Museum in Frankfurt, Dimitrij Belkin, heute Abend diskutieren wird. In einem Interview hat, wie der Rezensent sich erinnert, Jens von der "maßlosen" Überschätzung Springers gesprochen. Sein Buch allerdings scheint eher zu belegen, dass der Zeitungsverleger sich hörbar in die Meinungsbildung und die Politik der Bundesrepublik einschaltete, wie ein Zitat von Kurt Biedenkopf von 1974 zeigt. Der Autor hat sich für seine Recherche durch große Quellenmassen gearbeitet, was allerdings nicht immer notgedrungen zur "Qualität" seiner Arbeit beiträgt, wie Thomas meint. Aber immerhin könne Jens eindrucksvoll unter Beweis stellen, dass auch er, wie Springer, über ein beträchtliches Talent zur Polemik und zum Polarisieren verfügt, wenn er im Epilog seines Buches Rudi Dutschke und Springer zum "Small-Talk" aufeinander treffen lässt.

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