Thomas Lux, Steffen Mau, Linus Westheuser

Triggerpunkte

Konsens und Konflikt in der Gegenwartsgesellschaft
Cover: Triggerpunkte
Suhrkamp Verlag, Berlin 2023
ISBN 9783518029848
Kartoniert, 540 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

"Soziale Konflikte sind nie einfach nur da, sie werden auch gesellschaftlich hergestellt: entfacht, angeheizt, getriggert."Von einer "Spaltung der Gesellschaft" ist immer häufiger die Rede. Auch in der Alltagswahrnehmung vieler Menschen stehen sich zunehmend unversöhnliche Lager gegenüber. So plausibel sie klingen mögen, werfen entsprechende Diagnosen doch Fragen auf: Wie weit liegen die Meinungen in der Bevölkerung wirklich auseinander? Und ist die Gesellschaft heute wirklich zerstrittener als zur Zeit der Studentenproteste oder in den frühen Neunzigern? Nicht zuletzt weil man eine Spaltung auch herbeireden kann, tut mehr Klarheit not. Steffen Mau, Thomas Lux und Linus Westheuser kartieren aufwendig die Einstellungen in vier Arenen der Ungleichheit: Armut und Reichtum; Migration; Diversität und Gender; Klimaschutz. Bei vielen großen Fragen, so der überraschende Befund, herrscht einigermaßen Konsens. Werden jedoch bestimmte Triggerpunkte berührt, verschärft sich schlagartig die Debatte: Gleichstellung ja, aber bitte keine "Gendersprache"! Umweltschutz ja, aber wer trägt die Kosten? Eine 360-Grad-Vermessung der Konflikte um alte und neue Ungleichheiten, die eine unverzichtbare Diskussionsgrundlage bietet und viele Mythen entzaubert.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 17.10.2023

Rezensentin Nina Apin wirft die Arme hoch vor Überraschung über die Ergebnisse der Umfragen der Soziologen Steffen Mau, Thomas Lux und Linus Westheuser. Was die Autoren in ihrem laut Apin gut lesbaren Buch zusammenfassen, spricht nicht für eine Spaltung der Gesellschaft, sondern für lebendige Debattenkultur mit erstaunlich breitem Grundkonsens! Allerdings können sich, befeuert durch mediale und politische "Stimmungsmache", Gräben auftun bei Themen wie Gender, das sind sind die titelgebenden Triggerpunkte, erklärt Apin. Dass sich 84 Prozent der Befragten Anerkennung für geschlechtliche Selbstbestimmung wünschen, findet Apin verblüffend. Ein Buch, das nach Diskussion schreit, freut sich die Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 14.10.2023

Jakob Hayner liest diese Studie als Antwort auf Andreas Reckwitz' Behauptung, wir lebten in einer Gesellschaft der "Singularitäten". Nein, rufen die Autoren nach Umfragen und Gesprächen, ökonomisch schlechter und besser Gestellte unterscheiden sich gar nicht so sehr durch ihre Werte und die Einschätzung politischer Dringlichkeiten, sondern allenfalls in ihrer Ansicht über die Art und Weise, wie Politik und Gesellschaft damit umgehen sollen, referiert der Rezensent. Gleichstellung etwa werde auch von den Ärmeren keineswegs in Frage gestellt: Sie fragen nur, ob man sie durch Gendern erreicht. "It's the Economy, Stupid", scheinen Mau und seine Kollegen also Reckwitz entgegen zu halten, oder, wie Hayner sagt: "Class Matters". Wer sich ökonomisch nach Corona und Inflation bedrängt sieht, lässt sich nicht auch noch gern eine Verzichtsrhetorik predigen. Für Hayner bringt das Buch darum eine "dringend nötige Korrektur" der Behauptung, wir lebten in einer heillos polarisierten Öffentlichkeit.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.10.2023

Rezensent Gerald Wagner rechnet den Soziologen Steffen Mau, Thomas Lux und Linus Westheuser an, dass sie nicht gleich die "Triggergesellschaft" ausrufen, obgleich ihre Studie in dieser Hinsicht erstaunliche Belege liefert, wie Wagner feststellt. Die Autoren halten die Gesellschaft nicht für gespalten, sondern für zerklüftet und legen eine "politische Konfliktsoziologie" vor, die es für Wagner in sich hat. Nämlich ein tieferes Verständnis gesellschaftlicher Fehden und ihrer "sozialstrukturellen Lagerung". Wer eigentlich in welchen Arenen mit wem worüber streitet, erläutern die Autoren laut Rezensent anhand einer Menge Befunde recht präzise und bieten überraschende Einsichten zu Kipppunkten und verblüffenden Allianzen, so Wagner. Eine immense analytische Leistung, findet er.
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Buch in der Debatte

9punkt 26.10.2023
Es gibt ein Erstarken der politischen Ränder, jedoch keine generelle Polarisierung der Gesellschaft, erklären die Soziologen Steffen Mau und Thomas Lux im Tagesspiegel-Gespräch mit Hans Monath. Trotzdem gibt es in der Gesellschaft bestimmte "Triggerpunkte": "Das sind Sollbruchstellen der öffentlichen Debatte, bei denen sachliche Diskussionen in emotionale umschlagen und sich die Menschen anders positionieren, als sie es zuvor getan haben", führt Mau aus. Unser Resümee
9punkt 06.10.2023
Die Gesellschaft ist nicht polarisiert, viel mehr haben sich die Ränder radikalisiert, sagt der Soziologe Steffen Mau im SZ-Gespräch mit Jens-Christian Rabe. Schuld daran sei die zunehmende "Affektpolitik", erklärt er: "Die gemäßigteren politischen Akteure haben dabei immer weniger Möglichkeiten, den öffentlichen Kommunikationsprozess selbst zu steuern. Sie sind getriebener." Unser Resümee
9punkt 29.09.2023
Der Soziologe Steffen Mau nimmt in seinem zusammen mit Thomas Laux und Linus Westheuser veröffentlichten Buch "Triggerpunkte"" die vor allem vom Kollegen Andreas Reckwitz vertretene These auseinander, dass sich die Gesellschaft immer stärker polarisieren würde. Dafür hat er ordentlich empirische Forschung betrieben und das Ergebnis: "Bei vielen großen Fragen herrscht überraschend großer Konsens", erklärt er im Interview mit Spon. Unser Resümee

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