Bei uns ist Mark Twain vor allem als Autor der Geschichten von Tom Sawyer und Huckleberry Finn beru?hmt geworden. Wa?hrend er in Amerika la?ngst ein Nationalheiliger ist, findet man in Deutschland nur einige wenige Monografien u?ber ihn. Thomas Fuchs fu?llt jetzt diese Lu?cke mit seinem Porträt, das eine literarische Liebeserkla?rung an den Autor ist, dessen Lebensgeschichte zu den spannendsten Schriftsteller-Biografien geho?rt, die es gibt. Mark Twain wurde 1835 in Florida, Missouri als Samuel Langhorne Clemens geboren, nachdem der Halleysche Komet sichtbar wurde, und starb (1910 in Redding, Connecticut), wie von ihm vorhergesehen, am Tag nach dessen Wiederkunft. Er gilt als wichtigster Vertreter des amerikanischen Realismus. Sein Pseudonym wa?hlte Clemens wa?hrend "der scho?nsten Zeit seines Lebens" als Lotse auf dem Mississippi: Abgesehen von seinem Delta bei New Orleans ist der Fluss recht flach, weshalb auf unbekannten Strecken und besonders nachts ein Boot ausgesetzt wurde, welches dem großen Dampfer voraus fuhr. Wa?hrend ein Matrose mit dem Lot die Wassertiefe maß, sang ein anderer die Werte zum Lotsenha?uschen empor. "Singen" ist in diesem Fall ein treffender Ausdruck; um Missversta?ndnisse zu vermeiden hatte jeder Wert eine eigene Melodie. Es ging los mit "Kein Grund", was eine Wassertiefe von mehr als vierundzwanzig Fuß beschrieb. Drei Faden Wassertiefe (ca. 5 1?2 Meter) hießen Mark Three, zwei Faden (ca. 3 1?2 Meter) - der Bereich, der das sichere vom unsicheren Fahrwasser schied - hieß Mark Twain.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.10.2012
Nachdem er sich an einige Eigenheiten des Titanic-Autors gewöhnt hat, findet Reinhard Helling die Mark-Twain-Biografie von Thomas Fuchs eigentlich ganz gut. Gegenüber Twains Autobiografie eher schmalbrüstig besticht das Buch für Helling durch seine kokette, kurzweilige Art, den Verzicht auf hagiografische Momente und das launige Eintauchen in verschiedene Abschnitte im Leben Twains. Spröde Analysen muss Helling bei Fuchs nicht fürchten, eher schon das salopp Griffige. Doch siehe da, sogar dem etwas sperrigen Thema des Subskiptionshandels, mit dem Twain sich zu arrangieren hatte, widmet sich der Autor, das freut den Rezensenten.
Recht positiv hat Rezensent Frank Schäfer diese Biografie über den Schriftsteller Mark Twain von Thomas Fuchs aufgenommen. Die mit viel Schwung erzählte Lebensgeschichte Twains scheint ihm eine gute Einführung für Twain-Neulinge. Twains Aufstieg vom Zeitungsschreiber für Hinterwälder-Blätter zum renommierten Autor von Reportagen und schließlich zum gefeierten Autor großer Romane wie "Tom Sawyers Abenteuer" und "Huckleberry Finns Abenteuer" und damit verbunden sein gesellschaftlicher Aufstieg wird nach Ansicht Schäfers spannend nachvollzogen. Er unterstreicht, dass sich Fuchs auf das Leben Twains konzentriert, dessen Werke blieben dagegen etwas unterbelichet. Eine "detaillierte Werkbiografie" sollte man also hier nicht erwarten. Das Fazit des Rezensenten: eine Biografie, die "Lust auf weitere Lektüre" macht.
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