Atak, Mark Twain

Der geheimnisvolle Fremde

Cover: Der geheimnisvolle Fremde
Carlsen Verlag, Hamburg 2012
ISBN 9783551786234
Gebunden, 144 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Ana Maria Brock. "In Österreich war noch Mittelalter ..." und der geheimnisvolle Fremde, der neue Spielkamerad der Dorfjungen, war Satan. Mark Twain erzählt Phantastisches und Tiefgründiges, Heiteres und Schreckliches über die Verblendung der Menschen und den Sinn des Lebens. Der Berliner Künstler und Illustrator Atak, hat daraus ein prächtiges Bilderbuch gemacht, das das Mittelalter nicht düster zeigt, sondern die Vielschichtigkeit der Geschichte mit Versatzstücken aus allen Zeiten bunt untermalt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.02.2013

Dass Mark Twain ein gewiefter Erzähler ist, wird schon am Anfang von "Der geheimnisvolle Fremde" deutlich: der Fremde ist Satan, aber statt "mit Blitz und Donner" zu erscheinen, kommt er einfach an einem besonders schönen Tag daher geschlendert, berichtet Christoph Haas. Die Geschichte selbst hat - meist in Monologen - dann einiges zu sagen über die Wertlosigkeit von Sitte und Anstand, über blutige Kriege als Triebfeder der Geschichte und die "Illusion des Fortschritts". Dem Rezensenten bleibt Twain allerdings zu flach, ihm kommt die Erzählung wie schlichte "Allerwelts-Kulturkritik" vor. Deswegen kann Haas nachvollziehen, dass Twain sie zu Lebzeiten nicht veröffentlich wollte, und er bliebe bei diesem Urteil, wären da nicht die Illustrationen des Comiczeichners ATAK, die den Band begleiten. Dessen grafische Zitate von Donald Duck bis Magritte haben ihm Spaß gemacht mit ihren geheimen Bezügen zum Text - manchmal scheinen sie ihm aber auch vollkommen sinnfrei zu sein.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.01.2013

Mark Twain hat seine Erzählung "Der geheimnisvolle Fremde" nie fertig geschrieben, berichtet Andreas Platthaus. Alle Fassungen, die existieren, sind Kombinationen von verschiedenen Fragmenten. Jetzt hat sich der Illustrator Georg Barber (alias ATAK) des Stoffes angenommen. Entstanden ist keine historisch genaue oder auch nur allzu texttreue Bebilderung, sondern so etwas wie ein "Lebensbuch" des Künstlers selbst, verrät Platthaus. Die Geschichte ist in einem österreichischen Bergdorf um 1590 angesiedelt. Satan, Twains Protagonist und Neffe des gleichnamigen gefallenen Engels, ist eine Art strenger Utilitarist, erklärt der Rezensent. Statt sich an konventionellen Moralvorstellungen zu orientieren, wägt er Leid und Glück rational ab und mündet in einem nicht-metaphysischen Erlösungsgedanken. In seiner Praxis heißt das dann allerdings oft: Euthanasie. Die Geschichte hat Barber belassen, in den Details seiner bildlichen Ausgestaltung hat er sich aber Freiheiten zugestanden und "alles hineingepackt, was ihn fasziniert", meint Platthaus, der das Buch noch immer herrlich provokant findet.
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