Reich illustriert. Das erste Vierteljahrhundert der deutschen Filmgeschichte stand lange im Schatten der berühmten Klassiker der zwanziger Jahre. Erst im Zuge des jüngst wieder erwachten Interesses am frühen Kino hat auch die Frühzeit des deutschen Films an Profil zurückgewonnen. Als eigenständige filmhistorische Epoche betrachtet, erscheint sie heute für ein Verständnis aller späteren Entwicklungen von zentraler Bedeutung.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.11.2002
Überfällig war dieses Buch für Philipp Stiasny, weshalb er froh ist, dass der Lesestoff nun "endlich" aus dem Englischen übersetzt wurde - in "erheblich veränderter Form" allerdings. Die Deutsche Ausgabe konnte die Erwartungen des Rezensenten dann aber nur teilweise erfüllen. Nicht überzeugend sei Thomas Brandlmeiers Diagnose eines "deutschen Sonderwegs" in der Komik, denn für Ernst Lubitsch und Karl Valentin bleibe "folgerichtig nur das sehr merkwürdige, als Lob gemeinte Prädikat 'undeutsch'". Auch Romana Currys These, die Filmindustrie habe nicht unwesentlich zur Kriegsunterstützung beigetragen, verwirft der Rezensent, vor allem wegen "spärlicher Materialbasis". Allerdings stünden diese Makel im Schatten der "Entdeckerfreude" und dem "detektivischen Gespür" der übrigen Beiträge - wie zum Beispiel dem mutigen Widerspruch von Kristin Thompson "auf den alten Vorwurf, das frühe Kino sei im Theaterhaften befangen". Werbefilm und lokales Kino blende das Werk zwar aus, "dennoch beeindruckt die Vielfalt der Themen, zumal ausgefallene Blickwinkel Platz gefunden haben".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 05.10.2002
Julian Hanich bespricht diesen von Thomas Elsaesser und Michael Wedel herausgegebenen Band, der einige Lücken in der deutschen Filmwissenschaft zu schließen vermag. Elsaesser, der zu den bedeutendsten Filmwissenschaftlern Europas gehöre, und Wedel haben sich nun in 21 Aufsätzen der uns heute fremd erscheinenden Welt des "Kinos der Kaiserzeit" gewidmet. Das Interessante dabei sei die Bandbreite der Aspekte, die darin untersucht würden. Vorstellungen einer nationalen Identität des deutschen Kinos dieser Zeit samt Stars und Stilrichtungen würden dabei ebenso untersucht wie die Zusammensetzung des Publikums, die Einbeziehung desselben in die Vorführungen und vieles mehr. Dieser Reichtum sei als ein erfolgreicher Schritt in der deutschen Forschung zur Filmgeschichte zu werten, so der Rezensent.
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