Dorit Müller

Gefährliche Fahrten

Das Automobil in Literatur und Film um 1900
Königshausen und Neumann Verlag, Würzburg 2004
ISBN 9783826026720
Kartoniert, 316 Seiten, 39,80 EUR

Klappentext

Als Angriff auf Leib und Leben bekämpft und zugleich als Waffe gegen Normen und Zwänge gefeiert, wurde die Autofahrt zu einem gängigen Topos in literarischen Texten und im Film des frühen 20. Jahrhunderts. Unter Einbeziehung vielfältiger, zum Teil unbekannter Materialien der Jahre 1886 bis 1918 zeigt die Arbeit die Anfänge einer bis in die Gegenwart reichenden Einstellungsgeschichte zum Auto auf und bietet zudem Einsichten in die medienspezifische Verarbeitungsweise automobiler Erfahrungen. Waren die Literaten bestrebt, Fahrterlebnisse durch Bewegungsmetaphorik, Verknappungen und syntaktische Verschiebungen in adäquate Stilformen umzusetzen, so bezog der Film das Auto als ein unmittelbares künstlerisches Ausdrucksmittel ein. Denn mit der Kamerafahrt wurde eine der wesentlichen Gestaltungsformen des Films begründet. Die Untersuchung entfaltet nicht nur die frühe Rezeptionsgeschichte des Autos, sie erhellt auch die mannigfaltigen Bezüge zwischen Film und Literatur zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.08.2004

"Damit fährt sie gut, nicht gefährlich", meint Thomas Thiemeyer. Er hat die "gelungene Studie" der Literaturwissenschaftlerin Dorit Müller gelesen, in der das Automobil in Literatur und Film um 1900 untersucht wird. Dabei stellt Müller fest, dass die Literatur bis 1918 das Auto nur inhaltlich adaptiere, und nicht wie den Film, "dessen Bilder sich wie das Auto fortbewegten", in die Form mit einfließen lasse, zum Beispiel im Schreibstil. Besonders gefällt dem Rezensenten "ihr Mut zur These", der jedoch auf einer "breiten Quellenbasis" fuße. Die mentalitäts- und mediengeschichtliche Analyse überzeuge vor allem, so der Rezensent, in der Darstellung der Wechselwirkung zwischen Literatur und Film. Allerdings, kritisiert Thiemeyer, gehe unter der Perspektivenvielfalt die vorher so klar formulierte symbolische Zuordnung des Automobils verloren. Doch insgesamt, schließt Thiemeyer ab, bereichtere die Dissertation die kulturwissenschaftliche Analyse des Autos.
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