Fast ein ganzes Jahrhundert stand Ruth Hellberg auf der Bühne oder vor der Kamera -
mit Kollegen wie Therese Giehse, Heinz Rühmann und Zarah Leander, Götz George, Margarethe von Trotta und Barbara Auer. Sie arbeitete unter Regisseuren von Max Reinhardt und Leopold Jessner bis Friedrich Dürrenmatt und Volker Schlöndorff.
Elisabeth Bergner empfahl Ruth Hellberg als ihre Nachfolgerin zu Otto Falckenberg an die Münchener Kammerspiele, wo sie sich mit Bertolt Brecht anfreundete. Mit siebzehn erwartete sie ein Kind vom späteren Hollywoodstar Oskar Homolka und pflegte ein Schwangerschaftskränzchen mit Brechts Geliebter Helene Weigel und mit den Ehefrauen von Caspar Neher und Fritz Kortner.
Bald feierte sie Triumphe in Hamburg, Berlin, Leipzig und Wien, wirkte in Fritz Langs Science-Fiction-Film "Metropolis" mit und war das Gretchen neben Alexander Moissis Faust.
Für Gustaf Gründgens leidenschaftlich schwärmend, zog sie kurzerhand zu ihm in die Wohnung und strapazierte die Nerven seiner Ehefrau Erika Mann, weil sie deren Geliebte Pamela Wedekind heftig begehrte. Klaus Mann machte aus ihr eine Figur in seinem Schlüsselroman "Mephisto" (1936), den Fritz H. Landshoff, der Vater ihres Sohns Andreas, im Exilverlag "Querido" in Amsterdam herausbrachte - während sie mit Gründgens im Staatstheater Berlin auf der Bühne stand. Vier Jahrzehnte später wird sie ihrem Protegé Klaus Maria Brandauer die Freundschaft kündigen, weil er die Hauptrolle in der Verfilmung von "Mephisto" angenommen hat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.06.2019
Simon Strauss freut sich über Thomas Blubachers Biografie über die Schauspielerin Ruth Hellberg. Das Buch vermittelt ihm nicht nur das aufregende Leben Hellbergs an der Seite von Regie- und Bühnengrößen, zwischen Stardasein im Nationalsozialismus und Neuanfang im BRD-TV, sondern auch fast ein Jahrhundert dramatisches Bühnengeschehen. Basierend auf von Hellberg besprochenen Kassetten, umfassend und dicht, zeigt der Band Strauss auch, wie sich einst Theater und Leben im Leben eines einzelnen Menschen zu spiegeln vermochten.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 06.06.2018
Helmut Mauro hat Spaß mit Thomas Blubachers Biografie der Theaterschauspielerin Ruth Hellberg. Spaß an intimsten Details aus Hellbergs Leben, aber auch daran, dass der Autor stets Distanz hält. Das romanhaft Mitreißende am Buch möchte er genauso wenig missen wie Blubachers Nüchternheit, die die Künstlerin ehrt. Richtig scheint ihm der Tonfall allemal, so zwischen Empathie und wissenschaftlichem Abstand. Hellbergs Liebesleben aber ist und bleibt ein Roman, findet er.
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