Tea Obreht

Die Tigerfrau

Roman
Cover: Die Tigerfrau
Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2012
ISBN 9783871347122
Gebunden, 414 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Bettina Abarbanell. Natalia arbeitet in einem Waisenhaus irgendwo in Südosteuropa, als sie vom rätselhaften Tod ihres geliebten Großvaters erfährt. Nach Erklärungen suchend, erinnert sich die junge Ärztin an jene Geschichten aus seinem Leben, die sich um zwei seltsame, fatale Gestalten drehen: die Tigerfrau, eine schöne Taubstumme in seinem Heimatdorf, die einen geflüchteten Tiger pflegte; und einen charmanten, obskuren Mann, der nicht sterben kann. Während Natalia auf den Spuren des Großvaters durch idyllische und kriegsverwüstete Landschaften reist, werden ihr diese Figuren immer gegenwärtiger. Bald entspinnt sich ein ganzer Kosmos an Mythen und Gestalten, und Natalia begreift, welche Wahrheit über die Lebensrätsel ihrer Familie und ihre versehrte Heimat in ihnen steckt.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 25.07.2012

Patricia Hecht versichert, dass dieser Roman in der deutschen Übertragung dem großen, der Autorin vorauseilenden Ruf durchaus gerecht wird. Gerademal 26jährig schafft die aus Belgrad stammende, in den USA lebende Tea Obreht es laut Hecht, 60 Jahre ihrer Familiengeschichte mit Schauer- und Volksmärchen und allerlei fantastischen Figuren zu verbinden, das Ganze leicht und bildhaft, wie Hecht schreibt, in der Art des magischen Realismus. Scheint Hecht die Beschreibung von Land und Leuten eher konventionell (auch das kann Obreht also), kreuzen Aberglaube, Kaffeesatzlesen etc. immer wieder die Wirklichkeit - für Hecht ein Gewinn.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.03.2012

Hans-Peter Kunisch hat Tea Obrehts Debütroman genossen und in ihr ein echtes Erzähltalent entdeckt, restlos überzeugt ist er von dem Roman der 1985 in Belgrad geborenen und in Amerika lebenden Autorin aber nicht. "Die Tigerfrau" wurde allseits bejubelt, als sie im amerikanischen Original erschien, und in dreißig Sprachen übersetzt, weiß der Rezensent. Die Begeisterung, die Kunisch durchaus teilt, rührte nicht nur von dem ungewöhnlichen und differenzierten Blick, den die Ich-Erzählerin Natalia zurück auf den Jugoslawienkrieg wirft, einem eigentlich in der Literatur reichlich beackerten Feld, wie der Rezensent meint. Besonders hat man die Autorin aber für ihren "magischen Realismus" gepriesen, der in vielen Geschichten in den Roman hineingetragen wird und sich mit der Figur des Großvaters von Natalia verknüpft. Obwohl Kunisch gerade diese Geschichten wirklich großartig erzählt findet, verbindet sich diese zweite, mythische Ebene nicht überzeugend mit der Geschichte des Großvaters. Wenn schon große Symbole bemüht werden, erwartet der Rezensent auch eine tragfähige Verbindung zwischen realistischer und wunderbarer Erzählebene, wie er deutlich macht, weshalb sein Urteil nicht rückhaltlos positiv ausfällt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.03.2012

Da capo, jubelt ein geradezu überschäumender Ernst Osterkamp, der bass erstaunt eines der besten Debüts der amerikanischen Literatur seit langem feiert: Mit gerade mal 25 Jahren habe die in Belgrad geborene, seit 1997 in den USA lebende Téa Obreht ein auf allen denkbaren Ebene hochsouveränes Buch vorgelegt, das ganz genuin ohne Vorbilder auskomme - lediglich "Reklame" sei der verlagseitig bemühte Vergleich mit Gabriel García Márquez - und dem, so der sich im Schwärmen stets noch überbietende Rezensent, die "creative writing"-Ausbildung der Autorin nicht anzumerken sei. Komplex und mit "herrlichster Detailfreude" erzählt, aber von "sicherer Hand" zusammengehalten, schildert der Roman anhand der Erinnerungen von Téa Obrehts Großvater ein knappes Jahrhundert der Geschichte des Balkans vom Ersten Weltkrieg bis zur Jahrtausendwende und entwirft darin ein, im übrigen auch gut übersetztes "Epochenpanorama", dessen Details Osterkamp mit literarischer Wonne nachvollzieht. Lediglich sauer stößt ihm auf, dass die "Tigerfrau" im deutschen Titel einen wohl marketingträchtigen erotischen Ruch von Exotik in den Roman lege, der dies inhaltlich gar nicht stütze, zumal es realiter auch um eine "Frau des Tigers" gehe. Immerhin, so der Rezensent keck am Ende, wäre Téa Obreht als Erzählerin mit "Tigerfrau" bestens beschrieben.
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