"Ich hielt das Leben meines Vaters für das allerunspektakulärste", sagt Tarek Leitner - keine Heldentaten, keine menschlichen Abgründe, keine tragischen Schicksalsschläge. Und doch berührt die Geschichte das Leben seiner Familie in der Bischofstraße in Linz. Dort war das Zentrum des Februaraufstands 1934, dort lebte Adolf Eichmann und der letzte vor dem Holocaust geborene Linzer Jude. Das Buch erzählt anhand zweier Reisen von Berlin nach Linz, einmal durch das nationalsozialistische Deutschland von 1938, einmal durch das in Trümmern liegende Deutschland von 1945, die bewegende Geschichte seines Vaters. Beide Male reiste er auf der Reichsautobahn: Einmal als 12-Jähriger am Steuer eines neu gekauften Wagens, einmal auf dem Fahrrad, das er gegen seine Uhr eingetauscht hatte. Konnte man damals überhaupt "unpolitisch" sein? Ist das Glück eines Menschen endlich, und wie viel davon verbraucht das Überleben im Krieg? Eine Erzählung über das Aufregende im vermeintlich Unspektakulären.
Rezensent Christoph Haacker liest Tarek Leitners Dokumentation nach den Tonbandgesprächen mit dem Vater des Autors mit großem Interesse. Mehr als ein Vater- und Großvaterbuch, das die Infizierung mit dem Nazismus in Linz März 1938 genau beschreibt, ist Leitners Darstellung laut Haacker durch dessen "kulturgeschichtliche Hinwendung" zum Motorsport und zur Technik. Zeit- und Familiengeschichte und Gedenkbild für die Linzer Juden in einem, so Haacker.
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