Tanisha M. Fazal

(Kein) Recht im Krieg?

Nicht intendierte Folgen der völkerrechtlichen Regelung bewaffneter Konflikte
Cover: (Kein) Recht im Krieg?
Hamburger Edition, Hamburg 2019
ISBN 9783868543339
Gebunden, 418 Seiten, 35,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Tanisha M. Fazal. Der Entstehung des modernen humanitären Völkerrechts liegt der Wunsch zugrunde, die schlimmsten Auswirkungen des Krieges zu begrenzen. Doch nicht selten konterkarieren unbeabsichtigte Folgen das Unterfangen. Die Autorin verbindet historische Erzählung und quantitative Analyse, stellt so Veränderungen in der Praxis des humanitären Völkerrechts anhand von vergangenen und gegenwärtigen zwischenstaatlichen Kriegen und Bürgerkriegen dar und widerlegt Mythen über Krieg und Frieden, Staatlichkeit und Sezession. Sie plädiert dafür, die künftige Rechtssetzung des humanitären Völkerrechts auf eine breitere Wissensgrundlage über konkrete Praktiken zu stellen und angesichts historisch geänderter Konfliktarten - von der Seeblockade des 19. Jahrhunderts zum Cyberwar heutiger Provenienz - die Schutzfunktion dieses Rechts, vor allem auch für die Zivilbevölkerung, deutlich zu verbessern.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.02.2020

Rezensent Milos Vec lernt bei der Politikwissenschaftlerin Tanisha M. Fazal, wie die Zunahme von Recht (im Sinn von Zivil-, Umwelt-, Gefangenenschutz etc.) in Kriegen zu strategischer Vermeidung von Recht führt. Der globale, interdisziplinäre Ansatz der Studie und Fazals Hang zur These überzeugen den Rezensenten ebenso wie die Verbindung von Statistik, geopolitischen Beobachtungen und Fallstudien im Buch. Der "völkerrechtliche Kern" der Argumentation erscheint Vec hingegen fragwürdig, da die Autorin rechtssoziologischen Studien zu wenig Beachtung schenkt. Fazals bescheidene Schlussfolgerungen gefallen dem Rezensenten wiederum durch Augenmaß.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 26.11.2019

Annette Wilmes empfiehlt das Buch der Politikwissenschaftlerin Tanisha M. Fazal jedem, der sich für die Entwicklung des humanitären Völkerrechts interessiert. Auch wenn das Lektorat des Buches zu wünschen übrig lässt, Fazals streng wissenschaftliche, mit quantitativen und qualitativen Analysen, Tabellen und Datensätzen arbeitende, im Fachjargon vorgetragende Darstellung nicht leicht lesbar ist und dem Band ein Glossar fehlt, wie Wilmes erklärt, ist Fazals mit Fallbeispielen vom Boxeraufstand bis zum Konflikt im Südsudan illustrierte Erörterung der Veränderungen des Völkerrechts und ihrer Folgen für die Art der Kriegsführung weltweit für die Rezensentin aufschlussreich und interessant. So lernt sie zum beispiel, dass sich Staaten heute auch deshalb scheuen, Kriege zu erklären, weil sie die damit einhergehenden rechtlichen Veranwortungen umgehen wollen.

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