Tanguy Viel

Selbstjustiz

Roman
Cover: Selbstjustiz
Klaus Wagenbach Verlag, Berlin 2017
ISBN 9783803132901
Gebunden, 168 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Hinrich Schmidt-Henkel. Martial Kermeur ist des Mordes angeklagt. An einem einzigen Tag, Auge in Auge mit dem Richter, erzählt er die Geschichte seines Lebens in einer kleinen bretonischen Stadt am Meer, von der gescheiterten Ehe mit France und von seinem Sohn Erwan, den er allein aufgezogen hat. Er ist ein einfacher und bescheidener Mann, der das alte Gutshaus verwaltet, bis es einer Großbaustelle weichen muss. Seinem Sohn will er ein Vorbild sein und ihm nicht das Gefühl vererben, auf der Seite der Verlierer zu stehen. Und doch scheitert Kermeur an den eigenen Hoffnungen. Er wird von dem Immobilienspekulanten Antoine Lazenec schmählich betrogen, dem es über Jahre hinweg gelungen ist, buchstäblich die ganze Stadt mit einer gläsernen Chimäre hinters Licht zu führen und so Gemeinde wie Kleinanleger finanziell zugrunde zu richten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.10.2017

Katrin Hillgruber trifft in Tanguy Viels Roman auf die Struktur des klassischen Krimis. Diese Struktur weiß Viel allerdings anders als gewöhnlich zu füllen, erklärt Hillgruber. Eher handlungsarm, eher reflexive Erzählung, eher Monolog vor der Richterbank scheint ihr der Text zu sein. Gut gefallen haben ihr die "herbschönen", symbolisch aufgeladenen Naturmetaphern von der bretonischen Küste, eine dezente politische Symbolik (es geht um Turboinvestment in einer strukturschwachen Gegend und einen toten Immobilienhai im Meer) sowie der sympathische Fatalismus, der laut Rezensentin im Text wirksam ist.
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