Nicht nur sowjetische Armeeangehörige wurden am Ende des Zweiten Weltkriegs zu Vergewaltigern, alle vier Besatzungsarmeen verübten massenhaft Verbrechen an deutschen Frauen. Die Opfer dieser sexuellen Kriegsgewalt rangen oft ein Leben lang mit seelischen Problemen, Kinder, die aus den Vergewaltigungen hervorgingen, wurden quasi mit einer Erbschuld geboren, Familien litten vielfältig - und zum Teil bis heute - unter der belastenden Vergangenheit. Anhand bewegender Fallgeschichten zeigt Miriam Gebhardt, welch tiefe Spuren die massive Gewalterfahrung in den Jahren von 1945 bis 1955 in der deutschen Gesellschaft hinterlassen hat. Oft bestimmte das Kriegsende ein Familienschicksal, das bis in die heute erwachsene Enkelgeneration nicht überwunden ist.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 26.08.2019
Sieglinde Geisel empfiehlt Miriam Gebhardts Buch über Kinder von im Zweiten Weltkrieg vergewaltigten Frauen. Wie das Aufwachsen mit solchermaßen traumatisierten Müttern die Kinder prägte und welche Folgen es hatte, veranschaulicht die Autorin anhand von fünf Porträts, erklärt Geisel. Dass sich die Autorin gegen die Vorstellung stellt, nur die sowjetischen Besatzer seien Vergewaltiger gewesen, hält Geisel mangels Belegen für wenig aufschlussreich. Immerhin aber verweist es auf die Tabus, mit denen das Thema nach dem Krieg belegt war, und auf das Schweigen, meint sie, das wie ein Leitmotiv das Buch durchzieht.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 29.07.2019
Das Vertrauen der Rezensentin Dorion Weickmann in das neue Buch von Miriam Gebhardt wankt. Einerseits lobt sie Gebhardts Fähigkeit, Einzelschicksale und kollektive Geschichte zu verknüpfen und einfühlsam und lesbar aufzubereiten, andererseits missfällt ihr Gebhardts nachlässiger Umgang mit Quellennachweisen in Kombination mit oft forscher Argumentation und sogar Unterstellungen. Ob die geschilderten Zweifel und Ängste bei Opfern und Kindern von Kriegsvergewaltigungen nun typisch oder untypisch sind, vermag die Autorin Weickmann auch nicht zu vermitteln.
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