Sven Beckert

King Cotton

Eine Globalgeschichte des Kapitalismus
Cover: King Cotton
C. H. Beck Verlag, München 2014
ISBN 9783406659218
Gebunden, 525 Seiten, 29,95 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen übersetzt von Annabel Zettel und Martin Richter. Die Geschichte des Kapitalismus gehört zu den spannendsten Themen der aktuellen Geschichtswissenschaft. Fast immer aber geht es dabei um einzelne Epochen oder Regionen. Sven Beckert wagt in seinem brillanten Buch erstmals eine übergreifende Darstellung, die anhand einer einzigen Ware zeigt, wie der Kapitalismus entsteht, sich gleichsam einübt und nach und nach die Lebensverhältnisse und Arbeitsbedingungen, ja das Schicksal der Menschen überall auf der Welt seinen Bewegungsgesetzen unterwirft.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.10.2014

Sven Beckert lässt in seiner Globalgeschichte des "King Cotton", der Baumwolle, den Gegensatz zwischen "selbstgefälliger Kapitalismusapologie und anti-kapitalistischer Verdammung" hinter sich, lobt Jürgen Osterhammel. Kleinteilig analysiert Beckert den Zusammenhang zwischen der Industrialisierung und dem Imperialismus, schildert die Arbeitsbedingungen in europäischen Fabriken ebenso wie jene auf den Plantagen in Afrika, Nord- und Südamerika, die Rolle des Handels, der Kriegsführung und der Politik mit ihren vielfältigen Verflechtungen, berücksichtigt technische Entwicklungen ebenso wie ideologische, fasst der Rezensent begeistert zusammen. Beckert hat erkannt, dass die Baumwolle, obwohl sie nie "die kulturelle Prominenz des Schafes" erreicht hat, sich auf faszinierende Weise für eine "Kulturgeschichte weltumspannender Stofflichkeit" als Geschichte des Kapitalismus - und umgekehrt - eignet, so Osterhammel.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.10.2014

Mit Sven Beckerts Geschichte des Baumwollhandels lernt Barbara Lüthi nicht nur das globale System dieses Geschäftszweigs von seinen Anfängen bis heute kennen, vor allem erfährt sie, wie seine unzähligen Akteure an allen möglichen Orten der Welt zum technologischen und materiellen Aufschwung, zum imperialen Kapitalismus beitrugen. Dass es dabei von Anbeginn nicht ohne Gewalt abging und die "Markterzeugung" wesentlich auf Sklaverei und Enteignung beruhte, weiß Lüthi nun auch. Beckerts Geschichte des Kapitalismus in Aktion ist für Lüthi lehrreich und vermittelt, beinahe nebenbei, wie die Rezensentin erstaunt feststellt, neue Thesen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.10.2014

Es gibt wenig Aussicht auf einen gerechten Kapitalismus, meint Rezensent Kim Christian Priemel nach der Lektüre von Sven Beckerts Geschichte der Baumwollwirtschaft, die für Priemel eine Geschichte des globalen Kapitalismus ist. Dass englischsprachige Geschichtsschreibung weniger analytisch und empirisch sei, findet der Rezensent mit diesem Buch widerlegt, das allein hundert Seiten Anmerkungen bietet. Darüber hinaus erschließt es Priemel die geopolitische Dynamik kapitalistischer Logik anschaulich anhand der Baumwollwirtschaft von ihren Anfängen bis heute und zeigt, wie gewalttätig das Kapital vorgeht (Stichwort: Sklaverei und Kinderarbeit). Beckerts engagierte Abweichungen von der eurozentrischen Perspektive leuchten dem Rezensenten ein und bedeuten ihm, dass hier keine Heldengeschichte erzählt wird. Auch wenn der Autor laut Priemel nicht nur Neues berichtet - die Dramaturgie des Buches bestehend aus großen Linien und Zooms, die globale Ereignisse an Orten wie Chemnitz oder Bengalen verdeutlichen, sowie der umsichtige Umgang mit einer gewaltigen Materialmenge und die stringente, souveräne Argumentation haben den Rezensenten vollkommen überzeugt.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 01.10.2014

Rezensent Andreas Eckert ist sehr angetan von dem globalgeschichtlichen Ansatz Sven Beckerts. Der Harvard-Professor analysiert in "King Cotton" die Entwicklung von Baumwollproduktion und -handel seit dem amerikanischen Bürgerkrieg und der Abschaffung der Sklaverei, die zu einer ernsten Rohstoffkrise geführt hatte, berichtet der Rezensent. Die Europäer, die sich ohnehin aus der Abhängigkeit der Importe befreien wollten, nutzten anschließend ihre kolonialen Strukturen, um gewaltsam die "monokulturelle Produktion von verkaufbarer Ware auf dem Weltmarkt" durchzusetzen und immer größere Teile der Rohstoffproduktion in den "globalen Süden" zu verlagern, erklärt Eckert. Beckerts Buch mag nicht explizit antikapitalistisch sein, so der Rezensent, zeigt aber doch auf, dass die Verquickung von Sklaverei, Kolonialismus und Zwangsarbeit zum "innersten Kern" des Kapitalismus gehören und keinesfalls bloße "Entgleisungen" darstellen, betont Eckert.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 27.09.2014

Ein abgründiges Doppelbild des Kapitalismus entfaltet sich panoramatisch vor den Augen des Rezensenten Wolfgang Schneider. Politisch und ökonomisch, fortschrittlich und barabarisch erscheint ihm die Entwicklung des globalen Handels in Sven Beckerts Studie. Exemplarisch und mit viel Zahlenmaterial, vielen ökonomischen Fakten und sozialgeschichtlichen Kontexten (mitunter ermüdend viel, so Schneider) zeigt ihm der Historiker die Tücken der Globalisierung, den Kriegskapitalismus in Afrika, Asien und Amerika. Schneider fühlt sich an Hauptmanns "Weber" erinnert, während der Autor Netzwerke analysiert, Makler und Händler beschreibt und die Schattenseiten des Ganzen beleuchtet.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 20.09.2014

Was dem Historiker Sven Beckert mit dieser Geschichte der Baumwolle gelingt, ist für Detlev Claussen nicht weniger als die Vermittlung zwischen gestern und heute. Bewundernd liest der Rezensent das Buch als Weltgeschichte des Kapitalismus, die er spannend, temporeich und anschaulich erzählt findet. Dass der Autor seinen Text auf solides, in Archiven von Osaka bis Bremen gewonnenes Wissen aufbaut, merkt und schätzt Claussen auf jeder Seite. So geht es von den Anfängen der Menschheit bis in die Gegenwart, schreibt Claussen, der bei Beckert anhand eines bestimmten Produkts erfährt, wie sich der Kapitalismus immer wieder selbst revolutioniert und mit Gewalt und Zwang und alles andere als demokratisch durchgesetzt hat. Beim Lesen fröstelt es den Rezensenten mehr als einmal, wie er bekennt.