Susanne Scharnowski

Heimat

Geschichte eines Missverständnisses
Cover: Heimat
WBG Academic, Darmstadt 2019
ISBN 9783534270736
Gebunden, 272 Seiten, 40,00 EUR

Klappentext

Was ist Heimat? Die Antworten sind vielfältig, denn längst ist Heimat zum politischen Kampfbegriff geworden. Die einen verbinden damit das Bewahren deutscher Kultur und Identität, die anderen setzen der vermeintlich überholten Idee neue Werte wie Weltoffenheit, Dynamik und Diversität entgegen. Der Band bietet einen innovativen Überblick über die Kultur- und Debattengeschichte des Heimatbegriffs seit dem 17. Jh. Die meist missverstandene Bewertung der Romantik von Heimat wird ebenso behandelt wie die Propaganda in der Kolonialzeit, im Ersten Weltkrieg und im Nationalsozialismus. Ein systematischer Teil beleuchtet im Kontext von Heimat umstrittene Begriffe wie Kitsch oder Nostalgie. Damit leistet der Band einen Beitrag zur Versachlichung einer ideologisch stark aufgeladenen Debatte und hilft, die oft zu Schlagworten verkürzten Argumente besser zu verstehen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.10.2019

Der hier rezensierende Kulturwissenschaftler Thomas Macho wünscht sich neue Debatten über den Heimat-Begriff. Das Buch der Philologin Susanne Scharnowski scheint ihm dafür eine gute Grundlage zu sein. Dass die Autorin die ideologischen und pathetischen Assoziationen des Begriffs verwirft und auf seine Widersprüche abhebt, findet er sinnvoll. Sogar die Romantik war kein Hort der Heimatverklärung, lernt er, sie war durchdrungen vom Wunsch nach der unendlichen Reise. Die Autorin beschäftigt sich mit der Emigrationswelle zwischen 1841 und 1910, mit der Funktionalisierung des Begriffs gegen die Modernisierung Anfang des 20. Jahrhunderts, mit seiner kitschig-nostalgischen Wendung in den 50ern sowie mit aktuellen Indienstnahmen von Heimat. Scharnowskis Plädoyer für das Verständnis des Begriffs als Ort, nicht als Nation oder Territorium, findet Macho nachvollziehbar.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 22.07.2019

Rezensentin Katharina Döbler hat dieses Buch ausgesprochen gern gelesen: Kundig und "ausnehmend gut" lesbar führt sie die Autorin Susanne Scharnowski durch die Wandlungen des Heimatbegriffs in Deutschland seit der Romantik. Einen "Generalverdacht" gegen Heimat als rechtsreaktionär lässt sie gar nicht erst aufkommen, so Döbler. Das zeigt ihr auch Schwarnowskis Einordnung des Heimatbegriffs der Nazis, den sie nicht als Folge, sondern als Gegensatz zum gegen die Industrialisierung gesetzten Heimatbegriff des 19. Jahrhunderts beschreibt. Heimat, lernt Döbler, kann alles mögliche sein, außerdem rechts und links, auf keinen Fall aber ist sie eine Ideologie.

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