Aus dem Englischen von Jan Wagner. "Meine Heimat deckt sich / mit keiner Geographie", schreibt Sujata Bhatt in einem ihrer schönsten Gedichte. Sie, die aus Nordindien stammt, lange Zeit in den USA lebte und heute in Bremen wohnt, hat ihre Muttersprache aufgegeben, um auf Englisch zu schreiben. Kaum eine zeitgenössische Dichterin hat eindringlicher über den Verlust von Sprache und Heimat nachgedacht, über die Schönheit und den Schmerz, andersartig zu sein. Ihre weltumspannende Poesie sprengt die Grenzen von Sprachen und Ländern, verbindet die Weite der nordfriesischen Landschaft mit der Sehnsucht nach dem blauen Mohn des Himalaja.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.07.2020
Werner von Koppenfels erinnert an den "Entdecker" der englischsprachigen indischen Dichterin Sujta Bhatt, den Übersetzer Jürgen Dierking. Anlass ist die von Jan Wagner übersetzte Auswahl mit Gedichten Bhatts, die Koppenfels gut gefällt. Wagners Übertragung scheint ihm stilsicher, die Texte stark vor "weiblicher Energie" und vielfältig an Zungen, wenn die Autorin über Schiffbrüche schreibt, plattdeutsche Sturmflutlieder zitiert, den Sari ihrer Mutter erinnert oder Mädchentötungen und Genitalverstümmelung in ihrer Heimat Gujarat thematisiert. Weltoffenheit, Witz, tiefer Ernst prägen diese Dichtung gleichermaßen, bezeugt der Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 03.04.2020
Rezensent David Wachter freut sich, dass die Lyrik der indoamerikanischen, in Deutschland lebenden Dichterin Sujata Bhatt nun endlich auch ins Deutsche übersetzt wurde. Der Band versammelt 45 Gedichte Bhatts, übersetzt von Jan Wagner, die aus ganz unterschiedlichen Werken der Lyrikerin stammen und in denen es um kulturelle Identität, aber auch um "Sinneslust" geht, meint Wachter, der hier Mohnblumen betrachtet oder die "Erotik des gesaugten Zuckerrohrs" erkennt. Dass die Auswahl gerade Gedichte mit spannenden Sprachexperimenten der multilingualen Autorin außen vor lässt, versteht der Rezensent nicht. Dennoch findet er Gedichte von "abgründiger Schönheit" und interessiert sich für Bhatts verfremdenden Exotismus, der nichts von "pittoresken Kulissen östlicher Ferne" habe. Nur an manchen Stellen finden sich ein wenig abgegriffene Formulierungen, meint er. Die Übersetzung von Wagner hält Wachter - bis auf einige "manierierte" Ausrutscher - für gekonnt verdichtend: Eine gelungene Übertragung ins Deutsche, in der Bhatts Lyrik "neu aufbrechen" könne, meint er.
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