Stig Dagerman

Deutscher Herbst

Cover: Deutscher Herbst
Guggolz Verlag, Berlin 2021
ISBN 9783945370315
Gebunden, 190 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Schwedischen von Paul Berf. Stig Dagerman wurde 1946 von der schwedischen Zeitung Expressen beauftragt, Deutschland zu bereisen und ein Bild des zerstörten Landes nach dem Weltkrieg zu geben. Ein Reisebericht in 13 Stationen über Berlin, Hamburg, das Ruhrgebiet, Frankfurt, Heidelberg und München, aber auch über die dazwischenliegenden ländlichen Regionen, über Zugfahrten, Politikerauftritte und Gerichtsprozesse entstand in diesem regnerischen Herbst 1946, der geprägt ist von Ruinen und Hunger, unterdrückter Kontinuität nationalsozialistischen Denkens und dem erhofften Aufbruch durch die alliierte Demokratisierung. Stig Dagerman begegnet den Menschen auf seiner Reise nie mit moralischer Überlegenheit - sondern mit Interesse und Mitgefühl, im Versuch, die gesellschaftliche wie persönliche Situation jedes Einzelnen zu verstehen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.10.2021

Rezensent Jochen Schimmang empfiehlt die Reportagen des schwedischen Autors Stig Dagerman aus der Ruinenlandschaft Deutschland des Jahres 1946. Zusammen mit einem "informativen" Nachwort des Übersetzers Paul Berf bieten die Texte des damals 23-Jährigen laut Schimmang überraschende Ansichten. Dystopisch findet Schimmang, was Dagerman über zerstörte Städte und die "tote Seelen" vor allem der jungen Menschen in den Ruinen schreibt. Dagermans Berichte von den Entnazifizierungsverfahren gegen Gewerkschafter und Blockwarte, über Ostflüchtlinge und das Leben im Keller jagen Schimmang kalte Schauer über den Rücken. Enorm findet er den genauen Blick und die Urteilsfähigkeit des jungen Reporters, wenn Dagerman die Begeisterung des Publikums bei einer Rede Kurt Schumachers überzeugend deutet.
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 15.09.2021

Rezensent Peter Urban-Halle lernt mit Stig Dagermans Reportagen aus dem Hungerjahr 1946 das Leid der Menschen im Trümmerdeutschland aus nächster Nähe kennen. Dass der Autor sachlich beschreibt, was er sieht und was ihm die Menschen in ihren improvisierten Kellerverschlägen erzählen, macht die Texte für den Rezensenten so lesenswert. Aus dem zerstörten Hamburg, dem Ruhrgebiet oder von den Entnazifierungsprozessen berichtet Dagerman laut Urban-Halle mit der richtigen Dosis Empathie und mit scharfem Blick für den Alltag der Menschen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.09.2021

Rezensentin Sophie Wennerscheid befasst sich eingehend mit den Eindrücken des schwedischen Reporters Stig Dagerman aus dem zerbombten Deutschland des Jahres 1946. Verblüffend findet sie die Beobachtungen des Autors, die ihr das Leid der deutschen Bevölkerung aus einer externen Perspektive zeigen, genau, unvoreingenommen, pointiert, wie Wennerscheid findet. Empathische Zeitdokumente sind die Texte für sie, weil der Autor nah rangeht, die Menschen in ihren Kellerverschlägen besucht und auch das Absurde an der ihm begegnenden Verzweiflung erkennt. Dass nicht alle Texte gleich überzeugend sind, findet die Rezensentin verzeihlich. Besonders beeindruckt haben sie Dagermans Beobachtungen bei den Entnazifizierungsprozessen. Dem Buch hätte sie ein besseres Nachwort gewünscht, das dem Leser die historischen Zusammenhänge erschließt.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.08.2021

Rezensent Christoph Schröder liest Stig Dagermans Eindrücke aus Deutschland im Jahre Null als differenziertes Dokument des Neuanfangs. Was der Journalist und Schriftsteller bei seiner Reise durch das Nachkriegsdeutschland sieht und hört, vermitteln seine Reportagen laut Schröder sprachlich elegant, anschaulich und atmosphärisch. Die grimmige Aufnahme von Flüchtlingen aus den Ostgebieten dokumentiert der Autor ebenso wie das Grauenerweckende eines Blockwarts im Entnazifizierungsverfahren oder das zerstörte Köln. Trauer, Empathie und, wo es nottut, Distanz prägen die Texte, findet Schröder.
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