Stephan Schlak

Wilhelm Hennis

Szenen einer Ideengeschichte der Bundesrepublik
Cover: Wilhelm Hennis
C. H. Beck Verlag, München 2008
ISBN 9783406569364
Gebunden, 280 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

"Leidenschaftlich, wild und gelehrt", so charakterisierte Thomas Nipperdey das intellektuelle Temperament von Wilhelm Hennis, der im Februar 2008 seinen 85. Geburtstag begeht. Seit ihren Anfängen hat Hennis die Entwicklung der Bundesrepublik kritisch kommentierend begleitet und dabei als praktischer Wissenschaftler nie theoretische Distanz zur politischen Wirklichkeit gehalten. Stephan Schlak hat dem ungewöhnlichen Gelehrten ein unorthodoxes Buch gewidmet, das nicht im Gewand der klassischen Biografie daherkommt, sondern Hennis, mit einem Wort von Gottfried Benn, konsequent als ein "Durchkreuzungsphänomen" der Bundesrepublik liest.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 07.05.2008

Ulrich Teusch lobt Stephan Schlaks Biografie des Politikwissenschaftlers Wilhelm Hennis für ihre stilistische Eleganz und die Urteilsfreude des Autors und hebt hervor, dass es Schlak bei aller Sympathie für seinen Protagonisten nie an kritischer Distanz fehlen lässt. Dass der Autor keine klassische Zusammenschau von Leben und Werk versucht, sondern in einzelnen Szenen den Werdegang und das ausgeprägt unsystematische und mitunter widersprüchliche Denken Hennis' zeichnet, lobt der Rezensent als gute Entscheidung. Seiner Ansicht nach gelingt Schlak ein anschauliches Bild dieses auch in den öffentlichen politischen Debatten stets engagierten Politikwissenschaftlers. Einzig, dass der Autor sich so ausschließlich auf Hennis und die "Ideengeschichte der Bundesrepublik" konzentriert und es dafür unterlässt, Hennis in den Kontext seiner intellektuellen Gegenspieler und Verbündeten zu stellen, bedauert Teusch, doch er beteuert trotzdem, dass er das Porträt dieses "unzeitgemäßen" Denkers gern gelesen hat.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 21.02.2008

Viel Lob zollt der rezensierende Politikwissenschaftler Andreas Anter diesem "eindrucksvollen und lesenswerten" Buch, das seiner Ansicht nach den längst fälligen Auftakt zu einer systematischen Auseinandersetzung mit dem bedeutenden Politikwissenschaftler darstellt. Denn zum ersten Mal zeige der 1974 geborene Berliner Politikwissenschaftler Stephan Schlak Hennis' Denkweg in all seinen Brüchen und Kontinuitäten auf, weshalb Schlak dem Rezensenten zufolge mit seinem Hennis-Buch gleichzeitig ein Stück Ideengeschichte der alten Bundesrepublik geschrieben hat. Doch hier liegt dann aus Sicht des Rezensenten auch eine Schwäche der Publikation, die sich für den Geschmack des Rezensenten nicht immer klar genug für ihren Gegenstand entscheiden kann. Biografie oder Ideengeschichte - so recht werde das im Verlauf der nichtsdestotrotz als spannend und faszinierend etikettierten Lektüre nicht deutlich. Und obwohl sich das Buch auf reiches Quellenmaterial stütze, erfahre man über die Biografie dieses prägenden Wissenschaftlers nicht genug.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.02.2008

Anlässlich des 85. Geburtstags von Wilhelm Hennis legt Stephan Schlak eine intellektuelle Biografie des Politikwissenschaftlers vor, die parallel dazu die politische "Ideengeschichte" der Bundesrepublik nachzeichnen will, tut Dirk Lüddecke kund. Schlak beschreibe Hennis als "großen Unzeitgemäßen" und stelle ihn bei seinem Gang durch die Geschichte der Bundesrepublik seinem Antipoden Jürgen Habermas gegenüber, mit dem er sich nicht nur in der "Legitimitätsdebatte" erbittert auseinandersetzte, erklärt Lüddecke interessiert. Besonders gut hat dem Rezensenten an diesem Buch Schlaks feiner Sinn für die Wandlungen in Hennings politischen Positionen gefallen. Und wenn er auch findet, dass bestimmte Themen, für die sich der Politikwissenschaftler leidenschaftlich engagiert hat - beispielsweise seine verbissene Kritik am "unpolitischen Regierungsstil" Helmut Kohls - etwas zu kurz kommen, so zeigt er sich doch insgesamt von dieser farbig geschriebenen und klugen "Parallelbiografie" sehr eingenommen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.02.2008

Richtig dankbar zeigt sich Henning Ritter angesichts dieser Biografie, die ihm zugleich ein "ideengeschichtliches Panorama der Bundesrepublik" eröffnet. Den mit dem Buch Geehrten kennt Ritter als leidenschaftlichen Wissenschaftler und Meister der wissenschaftlichen Polemik. Dass sich mit der Lebensgeschichte Wilhelm Hennis' eine bislang eher unbekannte Ideengeschichte der Bundesrepublik jenseits der Frankfurter Schule offenbart, nimmt der Rezensent zufrieden zur Kenntnis. Der "dokumentierende Duktus" der Arbeit entgeht ihm also nicht, ebenso wenig, wie die Darstellung Hennis' als politischer Querdenker und Fürsprecher klassischer politischer Tugenden in Personalunion, den laut Ritter die Konstante eines "liberal interpretierten Traditionalismus'" auszeichnet.
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