Nach einem Wahljahr mit zahlreichen Richtungswechseln wird die Parteienlandschaft durch die Bundestagswahl kräftig umgepflügt. Es gibt überraschende Aufstiege und schmerzhafte Abstürze. Aber es geht um weit mehr als um einzelne Karrieren. Die künftige Regierung steht vor immensen Herausforderungen - wegen des Klimawandels, der Pandemie, des gewaltigen Reformstaus, auch wegen des Auseinanderdriftens der Gesellschaft. Stephan Lamby untersucht das politische Leben in Deutschland seit einem Vierteljahrhundert. Seine Langzeitbeobachtungen dauern monate-, manchmal jahrelang. Seit Dezember 2020 hat er sich auf die Spuren der drei Kanzlerkandidat:innen begeben. Er konnte hinter die Kulissen der Kampagnen von SPD, Union und Grünen blicken, mit Olaf Scholz, Armin Laschet, Annalena Baerbock, Robert Habeck und ihren Wahlkampfmanagern viele exklusive Gespräche führen und sie aus der Nähe beobachten. Auch mit Christian Lindner, Markus Söder und vielen anderen sprach er ausführlich.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 08.12.2021
Rezensent Nils Minkmar schätzt die politischen Dokumentarfilme von Stephan Lamby. Auch über den jüngsten Wahlkampf hat der Journalist einen Film gedreht, aber der Stoff reichte auch für ein Buch, weiß der Kritiker, der das Werk in den höchsten Tönen lobt: Lambys aus den Filmen bekannte wohltuende Distanz, die Raum für eigene Überlegungen lässt und den angenehmen Verzicht auf zu viel Theorie erkennt Minkmar auch hier. Und so liest er nicht nur interessiert nach, welche Fehler Armin Laschet während seiner Kanzlerschaftskandidatur machte, wie tief die Risse der CDU reichen oder wie unglücklich Robert Habeck die Plagiatsaffäre um Anna-Lena Baerbock kommentierte, sondern er blickt auch nochmal zurück auf die Bedeutung Angela Merkels für die Union. Kommentare, etwa von Igor Levit zur Stimmung während der Pandemie, oder Interviews mit Corona-Leugnern runden den aktuellen Band ab, lobt der Rezensent. Eine große "Erzählung unserer Gegenwart", ein "Hauptstadt-Roman" gar, schließt er.
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