Stephan Günzel

Geophilosophie

Nietzsches philosophische Geografie
Cover: Geophilosophie
Akademie Verlag, Berlin 2001
ISBN 9783050036229
Gebunden, 237 Seiten, 50,11 EUR

Klappentext

Wanderschaft und Denken. - Wie kein anderer hat Nietzsche diese Verbindung in seinem Leben und Schreiben hergestellt. Im gleichen Maße, in dem er sich als Philosoph stets an neuen Positionen versucht, experimentiert er mit den Orten seiner Existenz. Dieses Charakteristikum findet seinen Ausdruck zunächst in der räumlichen Form der Texte Nietzsches, den thematisch grenzziehenden und zugleich stilistisch Atmosphären bildenden Aphorismen. Darüber hinaus war Nietzsche aufgrund seines empirischen Interesses ein intensiver Leser erdkundlicher und erdgeschichtlicher Werke. Hierdurch entsteht in seinen Texten eine von der Rezeption bislang nur unzulänglich erschlossene Mischung aus geografischen Metaphern und Referenzen. In der Studie von Stephan Günzel wird erstmals Nietzsches Abwendung vom zeitgenössischen, historistischen Denken entlang geologischer und kartografischer Leitmotive nachgewiesen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.01.2002

Die Richtung stimmt, will uns Nils Röller sagen. Im Anschluss an Deleuze/Guattari und ihren Begriff der Geophilosophie lassen sich durchaus Bezüge herstellen, mit denen Nietzsche wieder zum Blühen gebracht werden kann. Indem der Autor den Bewegungen des Philosophen durch geografische Fachliteratur und europäische Landstriche folgt (ohne den Transfer zwischen historischem Gedankenwerk und aktuellen Fragen zu versuchen, wie Röller erleichtert anmerkt), erhellt er dem Rezensenten, "dass die Geografie die Idee der historischen Notwendigkeit in Frage stellt". Dabei leuchtet es Röller ein, wenn Nietzsches tatsächliche Reisen für diese Kartografie nicht so entscheidend sind wie die "fantasierten Tropen, Berge und Küsten". Was ihm weniger aufgeht, ist der Umstand, dass Günzel vor "Nietzsches Konversationswissen" zurückschreckt. Wie genau der sich "in den Netzen beliebten Wissens über fremde Kulturen" bewegt, hätte er doch gern aus diesem Buch erfahren. Eine Antwort auf die Frage indessen, welchen medialen Bedingungen Nietzsches Lektüren unterlagen, wäre für den Rezensenten sogar einem Beitrag gleichgekommen, "der die Geophilosophie zwischen sachkundiger Philologie und der Reflexion heutiger Strategien im Umgang mit fremden Kulturen gedeihen ließe".

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