Paolo Rumiz

Eine Stimme aus der Tiefe

Reise durch das unterirdische Italien
Cover: Eine Stimme aus der Tiefe
Folio Verlag, Wien - Bozen 2025
ISBN 9783852569116
Gebunden, 320 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Aus dem Italienischen von Karin Fleischanderl. Stimmen aus der Tiefe, wo es brodelt, bebt, giftige Dämpfe und Erinnerungen aufsteigen. Auf der Reise zu den Grundfesten Italiens, von Sizilien bis Neapel, über den Apennin bis ins Friaul, tut sich ein Inferno an Verwerfungslinien auf. Das ist der Stoff für Rumiz' leidenschaftliche Erkundungen in der Welt des Minotaurus. Er besteigt zerklüftete Berge auf den Äolischen Inseln und die Krater des Ätna, erkundet unterirdische Quellen im Karst, Höhlen der Eremiten in Kalabrien und frühchristliche Katakomben in Rom. Er befragt alte und neue Kulte und Mythen, spricht mit Menschen aus Wissenschaft, Politik und von der Straße und erzählt so vom Alltag im Schatten des Unvorhersehbaren. Wie leben auf so unsicherem Terrain? Geschichten von Katastrophen, Unwägbarkeiten und Wundern.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 05.07.2025

Paolo Rumiz setzt sich mit den nicht nur seismischen Verwerfungen Italiens auseinander, hält Rezensentin Nina Apin fest: Er reist von Sizilien bis zu den Alpen und horcht darauf, was das Land beschäftigt. Auf der Insel Alicudi donnert es in c-Moll, auf Pantelleria ist es windig und er diskutiert mit Fischern über ihre Schutzheiligen, auf Sizilien schaut er sich Schwefelgruben an, in denen Menschen und ihre Arbeit ausgebeutet wurden, erfahren wir. Wir lernen auch, dass Italien ein Land ist, dass seine "multikulturellen Wurzeln" ebenso zu verdrängen sucht wie die Gefahr von Erdbeben, was man 2009 in den Abruzzen gesehen hat - würde das Land nicht seit Jahrzehnten Vetternwirtschaft betreiben, hätten strengere Baubestimmungen wahrscheinlich das Schlimmste verhindert. Apin lernt gerne und eine Menge von Rumiz über Italien.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 28.05.2025

Mit Nachdruck empfiehlt Dirk Fuhrig dieses poetisch-leidenschaftliche Buch des italienischen Journalisten und Schriftstellers Paolo Rumiz, den der Rezensent als "progressiven Nostalgiker" schätzt. So sinnlich wie mitfühlend nimmt uns Rumiz mit in die "Urgründe unserer Zivilisation", in Höhlen, Kratern und Katakomben Italiens, zeigt dabei etwa die Spuren der Griechen und Spanier am Ätna auf oder folgt Odysseus durch Kalabrien. Gesprächen mit Vulkanologen oder alten Menschen, die vom Leben in heute zerstörten berichten, folgt Fuhrig ebenfalls interessiert. Vor allem aber ist es Rumiz' Kunst, das Archaische der Natur mit dem Politischen zu verbinden, die den Kritiker beeindruckt: Etwa, wenn der Autor an das Versagen Europas im Umgang mit den ertrunkenen Flüchtlingen aus Afrika erinnert.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.05.2025

Rezensent Andreas Rossmann lässt sich von Paolo Rumiz auf eine ganz besondere Italienreise mitnehmen. Anhand einer "strukturell-kinematischen" Karte startet der italienische Schriftsteller von Sizilien aus bis zu den Alpen, die "unruhige" Topografie Italiens zwischen 2009 und 2023 erkundend steigt er in Schwefelgruben, erklimmt den Ätna, trifft zurückgebliebene Alte in fast verlassenen Dörfern und hält sich dabei überwiegend im Mezzogiorno auf. Was das Buch für den Kritiker noch mehr glänzen lässt, sind die Abschweifungen, auch ins Synästhetische, die Rumiz unternimmt: So erfährt Rossmann etwa, dass Riccardo Muti Rumiz schrieb, die Tonart Neapels sei G-Dur. Dieser ausgezeichneten Kulturgeschichte verzeiht der Rezensent gern auch Flüchtigkeits- und sachliche Fehler. Aber ein Hörbuch hätte er schon gern noch.

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